Ay que frío! (mensch ist das kalt)
Das kommt mir immer öfters über die Lippen, denn der Herbst hat aufgehört und wie steuern auf den bolivianischen Winter zu. Doch der ist ganz anders,als unser deutscher Winter. Morgens und besonders nachts ist es furchtbar kalt. Wie sehr ich mir da doch das Daunenbettdeck wünsche, anstatt drei Wolldecken. Und vorallem einer Heizung, aber gut wir haben die Minustemperaturen noch nicht erreicht, aber das steht uns wohl noch bevor, wenn man den Cochabambinos glauben soll. Am Tag widerrum spinnt Petrus. In der Sonne ist es kaum auszuhalten, so warm wird es. Und durch die besondere Radiation ist ein Sonnebrand schon vorprogrammiert.Wie man sich da bloß anziehen soll? Mal sehen, was mir dann in La Paz bevorsteht.
Aber jetzt mehr zum Mai!

Gleich zu Beginn gab es eine sogenannte "Kermess" von meienm Projekt Warmi. Auf einer Kermess werden Essen,Trinken und andere Kleinigkeiten verkauft. Hauptsächlich um Geld zu bekommen. Daneben war es aber viel mehr auch ein Auftakt auf das große Jubiläum, was Warmi im Herbst zu verzeichnen hat. Nämlich den 30en Geburtstag, der schon jetzt für viel aufregung sorgt. Auf diesem kleinen Fest haben auch die Kinder und Jugendlichen aus dem Projekt gezeigt, was sie tanztechnisch so drauf haben!
Meine kleinen haben als Waka-Waka ihr bestes gegeben und die größeren in der
traditionellen Cholita Tracht Cochabambas. Denn schließlich ist das Tanzen ist eine ganz
wichtige Tradition, die ich allerdings spitzenmäßig finde, denn auch ich habe das
Tanzbein an diesem Tag geschwungen! Meine Saya Gruppe wurde engagiert zu spielen
und da ist es ja ganz selbstverständlich, dass ich dort auch tanze. Wir waren zwar nur in
kleinerer Besetzung da, aber trotzdem hat es allen unglaublich gut gefallen! Einige
Jugendliche meinte danach, dass es das beste am ganzen Tag war und ich werde wohl in
die Warmi-Freiwilligengeschichte eingehen, als einizige Weiße, die mit den
Afrobolivianern und dazu für Warmi getanzt hat. Aber mir macht es Spaß!Viele kamen gleich am Montag und haben
erstmal gefragt:“ Hast du gestern getanzt?“ und sogar von den
großen gab es großes Lob „Das war der beste Auftritt seit
langem“. Da geht mir das Herz auf.
Ich denke, dass es alles in
allem eine nette Veranstaltung war, die die „Warmi-Familie“ noch
etwas mehr zusammenschweißte.
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| Die kleinsten als sog. Waka Waka |
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| der traditionelle Tanz Cochabambas-Quequa |
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| Saya |
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| Saya |
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| Eine kleine Abkühlung |

Am 20.Mai haben wir dann in Tiquipaya
einen Taller de Padres (Elternabend) der ganz besonderen Art gehabt.
Diese sogenannten Tallers finden jeden Montag statt und sind zu ganz
bestimmten Themen. Dieser Sonntag stand ganz im Zeichen der Familie.
Es ging um Themen, wie Hygiene, Liebe und Zuneigung, Vorsorge, etc...
Dazu haben die Psychologiefreiwilligen verschiedene Stationen
vorbereitet, sodass das ganze eher wie eine Ralley wirkte. Viele
Familien waren in voller Besetzung da, was so viel bedeutet, wie
Vater,Mutter,1
Kind, 2 Kind, 3 Kind
und manches mal auch noch die Großeltern. Ich fand es total schon so
eine Innigkeit mitzuerleben, die man eigentlich bei vielen Kindern
nicht erwartet. Am Ende gab es auch noch eine Tombula und viele
Preise. Also ein schöner Sonntagvormittag.
Danach bin ich noch
hoch ins Dorf, denn genau an diesem Sonntag war auch die Feier zu
Ehren des Heiligen San Isidro, der Schutzpatron der Bauern und
Agronome. Ganz klar, dass man zu diesem Anlass ein großes Fest
feiert. Die kleine Dorfkapelle wurde mit Blumen und Kerzen geschmückt
und überall waren Opfergaben für San Isidro aufgebaut. Daneben gab
es aber auch viele Spiele für die Kinder und Chicha (Mais-Alkohol)
für die Erwachsenen. Als traditionelles Gericht wurde „Chicharon“
serviert, ein Fleischmix mit Maiskolben (Moté) und scharfer
Soße.Eines der typischen Gerichte aus Cochabamba. Am Nachmittag gab
es noch verschiedene Spiele, Wettkämpfe und andere Auftritte, zB.
Wurde das beste Ackervieh gekürt, in dem man auf einem leckeren Feld
die Tiere hat antreten lassen. Als Prämien gab es Schiebkarren,
Sensen und Schaufeln.
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| Die ganze Familie |
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| Prämien |
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| Der Altar festlich geschmückt für San Isidro |
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| Der Eingang zur Kapelle |
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| Die Prämien nach dem Viehwettkampf |
Doch dieses Event
habe ich nicht mehr miterleben können, da am Nachmittag der große
Feier des 1.Geburtstags meines kleinen Gastneffen Samuel anstand.
Denn das erste Jahr wird hier, oder in meiner Familie, groß
gefeiert. Somit hat meine Gastschwester Natalia, mehr als 70 Gäste
eingeladen. Hauptsächlich Familie und Freunde/Bekannte mit Kindern.
Die Vorbereitungen haben schon Wochen zuvor angefangen. Denn aus
meiner Erfahrung dient so ein Geburtstag hauptsächlich dazu um
„mitzuhalten“ und „zeigen zu können, was man hat“. Das mag
jetzt sehr hart klingen, aber der kleine ist 1 Jahr alt geworden und
den Großteil seiner Feier verschlafen. Als Belustigung gab es einen
Clown, der die Kinder 3h beschäftigt hat. Gerade das war für mich
sehr komisch, wenn man bedenkt, was und besonders wo ich am Morgen
war. Die Kinder haben also gespielt und die Eltern wurden im wahrsten
Sinne des Wortes mit Essen „vollgestopft“. Meine Familie hatte
wirklich an alles Gedacht! Zunächst gab es Windbeutel (mit extra
viel Sahne), Empanadas, Sandwiches, Wackelpudding und nicht zu
vergessen die riesige Torte. Dazu noch Coca-Cola, Fanta und Co.! Also
eine ganze Menge zu essen. Zum „Abschied“ gab es dann noch für
jedes Kind einen kleinen Süßigkeitenbeutel mit Spielsachen und
einen Ball. Gut vermutlich sind viele Geburtstage in Deutschland
ähnlich pompös, aber die vielen Kontraste machen es so schwierig
dies auch so zu sehen. Viele der Kinder mit denen ich
zusammenarbeiten bekommen zum Geburtstag noch nicht mal eine Umarmung
und hier bekommt ein 1-jähriger eine große Feier, ohne das er sich
je daran erinnern wird. Aber so ist das Leben nun mal hier und da man
es in Cochabamba liebt groß zu feiern, wird hier jeder Anlass
genutzt. Ich habe mal wieder eine interessante Erfahrung gemacht:
einen Kindergeburtstag in Bolivien.

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| Die ganze Familie, samt Clown |
Am
27.Mai war dann Muttertag in Bolivien. Eine Feier, die wohl ebenso
groß, wie in Deutschland gefeiert wird und für die es jeden Kitsch
gibt. Daneben ist dies aber auch der Tag der Heldinnen von Cochabamba
(Heroinas de la Coronilla). Man gedenkt ihrer jedes Jahr für ihren
Einsatz im Krieg um Cochabamba. Dort haben sich nämlich die Frauen
formiert und haben sich gegen die Besatzungsmacht gewehrt. Leider
haben sich verloren, doch ihrer wird auch nach 200 Jahren gedacht,
denn sie sind die Heldinnen von Cochabamba. Natürlich gibt es auch
ein Denkmal, was ich nach 10 Monaten das erste Mal besucht habe. Es
steht auf einem kleinen Berg im Zentrum von Cochabamba und bietet
einen wunderschöne Sicht auf meine große Stadt. Was man aber auch
schön sehen kann, sind die Smogwellen über der Stadt. Ich war doch
leicht schockiert über diesen Anblick. Über der ganzen Innenstadt
liegt eine Wolke, die sich noch bis in die Vororte zieht. Ein
deutliches Zeichen der Umweltverschmutzung, die hier alltäglich ist.
Abgasfilter gibt es hier nicht und somit wird die Wolke wohl in den
nächsten Jahren noch größer werden. Wie schade für diese
wunderschöne grüne Stadt.
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| Das Waffenaufgebot,... |
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| Smog üb er der Stadt |
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| Das Denkmal |
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| Schneebedeckte Gipfel |
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| Lagunen |
Anfang Juni war
dann auch schon der Zeitpunkt unseres letzten Seminares da. Dieses
haben wir mit einer zwei-tägigen Wanderung begonnen. Der sogenannte
Wanderweg Takeshi, der auch einer der 4 Inkawege ist, wurde in
Angriff genommen. Zunächst mussten wir 2 Stunden lang bergauf laufen
von 4600m bis 4800. Ich habe noch nie etwas so anstregendes erlebt.
Mir blieb praktisch die Luft weg, sodass ich kaum 10 Schritte laufen
konnte. Dementsprechend dankbar war ich, als dann endlich das Kreuz
sich näherte, dass den höchsten Punkt des Berges angab. Von da aus
ging es dann runter und immer abwärts. Besonders interessant war
der klimatische Wechsel. Wir haben im Altiplano angefangen und sind
in den Dschungel gewandert. Vom kargen Land ohne Bäume,Sträucher
oder reiche Natur- in den Dschungel. Ich war schon überrascht, als
wir dann auf einmal zwischen Bananenstauden standen und vor lauter
Bäumen die Berge kaum noch gesehen haben. Beeindruckend. Doch auch
wenn es nur 20km waren, war diese Tag super anstrengend. Von der
Bergspitze sind wir ungefähr 2000m hinabgestiegen. Besonders das
geht in die Knie und Waden und macht die 20 km zu einer wahren
Anstrengung. Genächtigt haben wir in einem Privathaus mitten in den
Yungas. Dieses Bot eine wunderschöne Sicht auf die Südyungas. Am
nächsten Tag ging es mit Muskelkater weiter hinab, denn es fehlten
noch knapp 1000m Abstieg. Dieses Mal haben wir Flüsse passiert. Ich
war so dankbar, als wir endlich in dem Dorf ankamen, wo das Seminar
stattfinden sollte. Yanacachi, ein kleines Dörfchen in den
Südyungas. Dabei haben wir über Themen, wie die politische
Situation boliviens gesprochen. Ein Thema, was ich anlässlicher der
vielen Konflikte unglaublich spannend finde und unbedingt mehr wissen
will. Gleichzeitig bedeutete es aber auch den Abschied von vielen
anderen Freiwilligen, die ich wohl so schnell nicht mehr wiedersehen
werde.
Im Anschluss an das Seminar bin ich noch nach Coroico
gefahren und habe dort einen Bekannten besucht. Ich muss sagen, dass
mich Coroico ebenso beeindruckt hat, wie Yanacachi und mein Weg bis
dahin. Die Yungas sind mit ihrer reichhaltigen Natur einfach super
spannend und ganz anders, als die Berge in La Paz oder Cochabamba.
Dort wird viel Obst angebaut und ich habe das erste Mal in meinem
Leben eine Kaffee Pflanze gesehen.
Das einzige Problem sind die
Wege, denn diese schlängeln sich an den Bergen entlang und sind
somit super gefährlich. Einen Tag nach meiner Abreise ist „mal
wieder“ ein Bus abgestürzt und hat mit sich 40 Jugendliche in den
Tod gestürzt. Ein sehr beklemmendes Gefühl, wenn ich überlege, das
sich den gleichen Weg weniger Tag zuvor langgefahren bin. Diese
Unfälle sind leider keine Seltenheit, denn viele Fahrer fahren sehr
verantwortungslos und rasen an den Bergen und engen Straßen entlang.
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| Die YUNGAS |
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| In Coroico |
So ein kurzer Zwischenstand.
Alles liebe ins warme Deutschland
Steffi