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Donnerstag, 10. Mai 2012

Zeig mal deine Zähne

Sogar die Mamas lassen sich untersuchen


Zu diesem Thema erschien am 29.04.2012 im Kehrwieder ein Artikel von mir:

Oh wie süß! Zähneputzen in Bolivien:

"Wenn ich diese Aufforderung mal geltend machen würde, was für Zähne würden mir dann entgegenstrahlen? Leider sind es nicht die weißen und gepflegten, sondern Zähne die leiden. Die leiden, weil sie nicht richtig gepflegt werden und dementsprechend auch aussehen. Schon bei den Kleinsten sieht man die Löcher und schwarzen Punkte, die sich über die gesamte Kaufläche erstrecken. Braune Flecken oder ganz verstümmelte Zähne sind schon bei den 2-jährigen zu sehen. Ein wahrer Albtraum, wenn man dann noch die Klagen der Kinder bei Essen hört. „Professora, ich kann das nicht essen, mir tun meine Zähne weh“. Andere Kinder haben regelmäßig Hamsterbacken durch die Entzündungen an ihren Zähnen. Was vielleicht auf den erste Blick ganz niedlich aussieht, hat jedoch einen weniger netten Grund. Und was bereits so früh beginnt, dass geht dann auch weiter, denn die Löcher bleiben und vermehren sich nur noch durch die schlechten Essgewohnheiten. Die Gründe für dieses Problem sind genauso offensichtlich, wie die Schmerzen. Übermäßiger Süßigkeitenverzehr, also Zucker en más, und keinerlei Zahnpflege. Viele Kinder besitzen keine Zahnbürste und falls doch, dann wird diese nicht benutzt. Letzteres ist vor allem Aufgabe der Eltern, die sich jedoch nicht darum kümmern. Schließlich haben auch sie Löcher gehabt und das ist ja kein Problem bei Milchzähnen, schließlich fallen die ja raus. Das die Infektion jedoch bereits durch den Milchzahn auf den Nachfolger übertragen wird, wird übersehen. Und das viele ihre „Zweiten“ genauso wenig pflegen, wie ihre Milchzähne, dass entfällt ebenfalls. Auch die älteren Kinder haben gravierende Löcher und Karies. Und das obwohl diese Zähne permanent bleiben. Mit 11 Jahren können die ersten Zähne schon gezogen werden. Was bleibt dann mit 20 oder 29 Jahren an Zähne? Eigentlich nicht mehr viel. Schaut man sich die Leute vom Campo an, dann sieht man, dass viele mit Mitte 30 kaum noch Zähne haben. Aber das ist ja „normal“.
In meinem Projekt sehen wir das allerdings anders. Die Kinder sollten nicht leiden, nur weil ihre Eltern durch Unwissenheit und Gewohnheit keinen Wert auf die Zahnpflege setzten. Durch eine einmalige Spende von Zahnbürsten ist es uns zur Zeit möglich, dass wir zumindest mit den 1-5-jährigen jeden Tag die Zähne putzen und die Kinder dadurch den richtigen Umgang mit der Zahnbürste erlernen. Denn am Anfang wussten einige Kinder noch nicht einmal, was denn eine Zahnbürste ist, geschweige denn, wozu man diese benutzt. Zunächst haben wir also die kleinen Zähnchen geputzt und den Kleinen Stück für Stück gezeigt, wie sie auch ohne uns machen. Den Kindern macht dieses Ritual überraschenderweise sehr viel Spaß, sodass sie sofort nach dem Mittagessen fragen, ob es denn nun Zeit ist sich die Zähne zu putzen. Das ist eine schöne Bestätigung. Das Putzen hilft um neue Löcher zu verhindern, doch kann es alte Löcher und Karies nicht völlig auslöschen, deshalb arbeiten wir mit Zahnmedizinstudenten zusammen, die in den Härtefällen Löcher stopfen und den Karies wegbohren. Doch aus Materialmangel ist das nur wenigen Kindern vergönnt. Daneben geben die Studenten Aufklärungsunterricht bei Elternabenden, um auf die Gefahren des Übermäßigen Süßigkeitenverzehrs und die Spätfolgen für die Zähne hinzuweisen.Einige haben bereits jetzt schon gehandelt und man sieht, dass sie der Zustand der Zähne verbessert, doch andere sich leider unbelehrlich.
Wie man sieht, setzt meine Projekt viel daran, dass sich die Zahnsituation der Kinder ändert, doch solange Boliviens Eltern nicht einlenken und die zahnmedizinische Versorgung weiterhin so teuer ist, wird das wohl ein harter Weg werden."

Egal, ob draußen oder drinnen..







Das Thema Zahnhygiene begleitet mich bereits seit dem Beginn meines Dienstes und wird bestimmt noch einige Freiwillige beunruhigen. Denn es gibt wirklich nicht schlimmeres, als in den Mund einer 2-jährigen zu gucken und schon in den kleinen Zähnchen schwarze Löcher, abgebrochene Zähne oder braune Streifen zu sehen. Ich hoffe, dass ich vielleicht noch etwas bewegen kann in der kurzen Zeit, die mir hier noch bleibt... und wenn es nur neue Zahnbürsten sind.