| Sogar die Mamas lassen sich untersuchen |
Zu diesem Thema erschien am 29.04.2012 im Kehrwieder ein Artikel von mir:
Oh wie süß! Zähneputzen in Bolivien:
"Wenn ich diese Aufforderung mal geltend
machen würde, was für Zähne würden mir dann entgegenstrahlen?
Leider sind es nicht die weißen und gepflegten, sondern Zähne die
leiden. Die leiden, weil sie nicht richtig gepflegt werden und
dementsprechend auch aussehen. Schon bei den Kleinsten sieht man die
Löcher und schwarzen Punkte, die sich über die gesamte Kaufläche
erstrecken. Braune Flecken oder ganz verstümmelte Zähne sind schon
bei den 2-jährigen zu sehen. Ein wahrer Albtraum, wenn man dann noch
die Klagen der Kinder bei Essen hört. „Professora, ich kann das
nicht essen, mir tun meine Zähne weh“. Andere Kinder haben
regelmäßig Hamsterbacken durch die Entzündungen an ihren Zähnen.
Was vielleicht auf den erste Blick ganz niedlich aussieht, hat jedoch
einen weniger netten Grund. Und was bereits so früh beginnt, dass
geht dann auch weiter, denn die Löcher bleiben und vermehren sich
nur noch durch die schlechten Essgewohnheiten. Die Gründe für
dieses Problem sind genauso offensichtlich, wie die Schmerzen.
Übermäßiger Süßigkeitenverzehr, also Zucker en más, und
keinerlei Zahnpflege. Viele Kinder besitzen keine Zahnbürste und
falls doch, dann wird diese nicht benutzt. Letzteres ist vor allem
Aufgabe der Eltern, die sich jedoch nicht darum kümmern. Schließlich
haben auch sie Löcher gehabt und das ist ja kein Problem bei
Milchzähnen, schließlich fallen die ja raus. Das die Infektion
jedoch bereits durch den Milchzahn auf den Nachfolger übertragen
wird, wird übersehen. Und das viele ihre „Zweiten“ genauso wenig
pflegen, wie ihre Milchzähne, dass entfällt ebenfalls. Auch die
älteren Kinder haben gravierende Löcher und Karies. Und das obwohl
diese Zähne permanent bleiben. Mit 11 Jahren können die ersten
Zähne schon gezogen werden. Was bleibt dann mit 20 oder 29 Jahren an
Zähne? Eigentlich nicht mehr viel. Schaut man sich die Leute vom
Campo an, dann sieht man, dass viele mit Mitte 30 kaum noch Zähne
haben. Aber das ist ja „normal“.
In meinem Projekt sehen wir das
allerdings anders. Die Kinder sollten nicht leiden, nur weil ihre
Eltern durch Unwissenheit und Gewohnheit keinen Wert auf die
Zahnpflege setzten. Durch eine einmalige Spende von Zahnbürsten ist
es uns zur Zeit möglich, dass wir zumindest mit den 1-5-jährigen
jeden Tag die Zähne putzen und die Kinder dadurch den richtigen
Umgang mit der Zahnbürste erlernen. Denn am Anfang wussten einige
Kinder noch nicht einmal, was denn eine Zahnbürste ist, geschweige
denn, wozu man diese benutzt. Zunächst haben wir also die kleinen
Zähnchen geputzt und den Kleinen Stück für Stück gezeigt, wie sie
auch ohne uns machen. Den Kindern macht dieses Ritual
überraschenderweise sehr viel Spaß, sodass sie sofort nach dem
Mittagessen fragen, ob es denn nun Zeit ist sich die Zähne zu
putzen. Das ist eine schöne Bestätigung. Das Putzen hilft um neue
Löcher zu verhindern, doch kann es alte Löcher und Karies nicht
völlig auslöschen, deshalb arbeiten wir mit Zahnmedizinstudenten
zusammen, die in den Härtefällen Löcher stopfen und den Karies
wegbohren. Doch aus Materialmangel ist das nur wenigen Kindern
vergönnt. Daneben geben die Studenten Aufklärungsunterricht bei
Elternabenden, um auf die Gefahren des Übermäßigen
Süßigkeitenverzehrs und die Spätfolgen für die Zähne
hinzuweisen.Einige haben bereits jetzt schon gehandelt und man sieht,
dass sie der Zustand der Zähne verbessert, doch andere sich leider
unbelehrlich.
Wie man sieht, setzt meine Projekt
viel daran, dass sich die Zahnsituation der Kinder ändert, doch
solange Boliviens Eltern nicht einlenken und die zahnmedizinische
Versorgung weiterhin so teuer ist, wird das wohl ein harter Weg
werden."
| Egal, ob draußen oder drinnen.. |
Das Thema Zahnhygiene begleitet mich bereits seit dem Beginn meines Dienstes und wird bestimmt noch einige Freiwillige beunruhigen. Denn es gibt wirklich nicht schlimmeres, als in den Mund einer 2-jährigen zu gucken und schon in den kleinen Zähnchen schwarze Löcher, abgebrochene Zähne oder braune Streifen zu sehen. Ich hoffe, dass ich vielleicht noch etwas bewegen kann in der kurzen Zeit, die mir hier noch bleibt... und wenn es nur neue Zahnbürsten sind.
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