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Freitag, 15. Juni 2012

Festlichkeiten und Dschungel



Ay que frío! (mensch ist das kalt)
Das kommt mir immer öfters über die Lippen, denn der Herbst hat aufgehört und wie steuern auf den bolivianischen Winter zu. Doch der ist ganz anders,als unser deutscher Winter. Morgens und besonders nachts ist es furchtbar kalt. Wie sehr ich mir da doch das Daunenbettdeck wünsche, anstatt drei Wolldecken. Und vorallem einer Heizung, aber gut wir haben die Minustemperaturen noch nicht erreicht, aber das steht uns wohl noch bevor, wenn man den Cochabambinos glauben soll. Am Tag widerrum spinnt Petrus. In der Sonne ist es kaum auszuhalten, so warm wird es. Und durch die besondere Radiation ist ein Sonnebrand schon vorprogrammiert.Wie man sich da bloß anziehen soll? Mal sehen, was mir dann in La Paz bevorsteht.

Aber jetzt mehr zum Mai!
Gleich zu Beginn gab es eine sogenannte "Kermess" von meienm Projekt Warmi. Auf einer Kermess werden Essen,Trinken und andere Kleinigkeiten verkauft. Hauptsächlich um Geld zu bekommen. Daneben war es aber viel mehr auch ein Auftakt auf das große Jubiläum, was Warmi im Herbst zu verzeichnen hat. Nämlich den 30en Geburtstag, der schon jetzt für viel aufregung sorgt. Auf diesem kleinen Fest haben auch die Kinder und Jugendlichen aus dem Projekt gezeigt, was sie tanztechnisch so drauf haben!
Meine kleinen haben als Waka-Waka ihr bestes gegeben und die größeren in der
traditionellen Cholita Tracht Cochabambas. Denn schließlich ist das Tanzen ist eine ganz
wichtige Tradition, die ich allerdings spitzenmäßig finde, denn auch ich habe das
Tanzbein an diesem Tag geschwungen! Meine Saya Gruppe wurde engagiert zu spielen
und da ist es ja ganz selbstverständlich, dass ich dort auch tanze. Wir waren zwar nur in
kleinerer Besetzung da, aber trotzdem hat es allen unglaublich gut gefallen! Einige
Jugendliche meinte danach, dass es das beste am ganzen Tag war und ich werde wohl in
die Warmi-Freiwilligengeschichte eingehen, als einizige Weiße, die mit den



Afrobolivianern und dazu für Warmi getanzt hat. Aber mir macht es Spaß!Viele kamen gleich am Montag und haben erstmal gefragt:“ Hast du gestern getanzt?“ und sogar von den großen gab es großes Lob „Das war der beste Auftritt seit langem“. Da geht mir das Herz auf.
Ich denke, dass es alles in allem eine nette Veranstaltung war, die die „Warmi-Familie“ noch etwas mehr zusammenschweißte.

Die kleinsten als sog. Waka Waka

der traditionelle Tanz Cochabambas-Quequa

Saya

Saya
Eine kleine Abkühlung

Am 20.Mai haben wir dann in Tiquipaya einen Taller de Padres (Elternabend) der ganz besonderen Art gehabt. Diese sogenannten Tallers finden jeden Montag statt und sind zu ganz bestimmten Themen. Dieser Sonntag stand ganz im Zeichen der Familie. Es ging um Themen, wie Hygiene, Liebe und Zuneigung, Vorsorge, etc... Dazu haben die Psychologiefreiwilligen verschiedene Stationen vorbereitet, sodass das ganze eher wie eine Ralley wirkte. Viele Familien waren in voller Besetzung da, was so viel bedeutet, wie Vater,Mutter,1 Kind, 2 Kind, 3 Kind und manches mal auch noch die Großeltern. Ich fand es total schon so eine Innigkeit mitzuerleben, die man eigentlich bei vielen Kindern nicht erwartet. Am Ende gab es auch noch eine Tombula und viele Preise. Also ein schöner Sonntagvormittag.
Danach bin ich noch hoch ins Dorf, denn genau an diesem Sonntag war auch die Feier zu Ehren des Heiligen San Isidro, der Schutzpatron der Bauern und Agronome. Ganz klar, dass man zu diesem Anlass ein großes Fest feiert. Die kleine Dorfkapelle wurde mit Blumen und Kerzen geschmückt und überall waren Opfergaben für San Isidro aufgebaut. Daneben gab es aber auch viele Spiele für die Kinder und Chicha (Mais-Alkohol) für die Erwachsenen. Als traditionelles Gericht wurde „Chicharon“ serviert, ein Fleischmix mit Maiskolben (Moté) und scharfer Soße.Eines der typischen Gerichte aus Cochabamba. Am Nachmittag gab es noch verschiedene Spiele, Wettkämpfe und andere Auftritte, zB. Wurde das beste Ackervieh gekürt, in dem man auf einem leckeren Feld die Tiere hat antreten lassen. Als Prämien gab es Schiebkarren, Sensen und Schaufeln. 


Die ganze Familie

Prämien

Der Altar festlich geschmückt für San Isidro

Der Eingang zur Kapelle
Die Prämien nach dem Viehwettkampf


 Doch dieses Event habe ich nicht mehr miterleben können, da am Nachmittag der große Feier des 1.Geburtstags meines kleinen Gastneffen Samuel anstand. Denn das erste Jahr wird hier, oder in meiner Familie, groß gefeiert. Somit hat meine Gastschwester Natalia, mehr als 70 Gäste eingeladen. Hauptsächlich Familie und Freunde/Bekannte mit Kindern. Die Vorbereitungen haben schon Wochen zuvor angefangen. Denn aus meiner Erfahrung dient so ein Geburtstag hauptsächlich dazu um „mitzuhalten“ und „zeigen zu können, was man hat“. Das mag jetzt sehr hart klingen, aber der kleine ist 1 Jahr alt geworden und den Großteil seiner Feier verschlafen. Als Belustigung gab es einen Clown, der die Kinder 3h beschäftigt hat. Gerade das war für mich sehr komisch, wenn man bedenkt, was und besonders wo ich am Morgen war. Die Kinder haben also gespielt und die Eltern wurden im wahrsten Sinne des Wortes mit Essen „vollgestopft“. Meine Familie hatte wirklich an alles Gedacht! Zunächst gab es Windbeutel (mit extra viel Sahne), Empanadas, Sandwiches, Wackelpudding und nicht zu vergessen die riesige Torte. Dazu noch Coca-Cola, Fanta und Co.! Also eine ganze Menge zu essen. Zum „Abschied“ gab es dann noch für jedes Kind einen kleinen Süßigkeitenbeutel mit Spielsachen und einen Ball. Gut vermutlich sind viele Geburtstage in Deutschland ähnlich pompös, aber die vielen Kontraste machen es so schwierig dies auch so zu sehen. Viele der Kinder mit denen ich zusammenarbeiten bekommen zum Geburtstag noch nicht mal eine Umarmung und hier bekommt ein 1-jähriger eine große Feier, ohne das er sich je daran erinnern wird. Aber so ist das Leben nun mal hier und da man es in Cochabamba liebt groß zu feiern, wird hier jeder Anlass genutzt. Ich habe mal wieder eine interessante Erfahrung gemacht: einen Kindergeburtstag in Bolivien.



Die ganze Familie, samt Clown
Am 27.Mai war dann Muttertag in Bolivien. Eine Feier, die wohl ebenso groß, wie in Deutschland gefeiert wird und für die es jeden Kitsch gibt. Daneben ist dies aber auch der Tag der Heldinnen von Cochabamba (Heroinas de la Coronilla). Man gedenkt ihrer jedes Jahr für ihren Einsatz im Krieg um Cochabamba. Dort haben sich nämlich die Frauen formiert und haben sich gegen die Besatzungsmacht gewehrt. Leider haben sich verloren, doch ihrer wird auch nach 200 Jahren gedacht, denn sie sind die Heldinnen von Cochabamba. Natürlich gibt es auch ein Denkmal, was ich nach 10 Monaten das erste Mal besucht habe. Es steht auf einem kleinen Berg im Zentrum von Cochabamba und bietet einen wunderschöne Sicht auf meine große Stadt. Was man aber auch schön sehen kann, sind die Smogwellen über der Stadt. Ich war doch leicht schockiert über diesen Anblick. Über der ganzen Innenstadt liegt eine Wolke, die sich noch bis in die Vororte zieht. Ein deutliches Zeichen der Umweltverschmutzung, die hier alltäglich ist. Abgasfilter gibt es hier nicht und somit wird die Wolke wohl in den nächsten Jahren noch größer werden. Wie schade für diese wunderschöne grüne Stadt.
Das Waffenaufgebot,...

Smog üb er der Stadt

Das Denkmal

Schneebedeckte Gipfel
Lagunen
Anfang Juni war dann auch schon der Zeitpunkt unseres letzten Seminares da. Dieses haben wir mit einer zwei-tägigen Wanderung begonnen. Der sogenannte Wanderweg Takeshi, der auch einer der 4 Inkawege ist, wurde in Angriff genommen. Zunächst mussten wir 2 Stunden lang bergauf laufen von 4600m bis 4800. Ich habe noch nie etwas so anstregendes erlebt. Mir blieb praktisch die Luft weg, sodass ich kaum 10 Schritte laufen konnte. Dementsprechend dankbar war ich, als dann endlich das Kreuz sich näherte, dass den höchsten Punkt des Berges angab. Von da aus ging es dann runter und immer abwärts. Besonders interessant war der klimatische Wechsel. Wir haben im Altiplano angefangen und sind in den Dschungel gewandert. Vom kargen Land ohne Bäume,Sträucher oder reiche Natur- in den Dschungel. Ich war schon überrascht, als wir dann auf einmal zwischen Bananenstauden standen und vor lauter Bäumen die Berge kaum noch gesehen haben. Beeindruckend. Doch auch wenn es nur 20km waren, war diese Tag super anstrengend. Von der Bergspitze sind wir ungefähr 2000m hinabgestiegen. Besonders das geht in die Knie und Waden und macht die 20 km zu einer wahren Anstrengung. Genächtigt haben wir in einem Privathaus mitten in den Yungas. Dieses Bot eine wunderschöne Sicht auf die Südyungas. Am nächsten Tag ging es mit Muskelkater weiter hinab, denn es fehlten noch knapp 1000m Abstieg. Dieses Mal haben wir Flüsse passiert. Ich war so dankbar, als wir endlich in dem Dorf ankamen, wo das Seminar stattfinden sollte. Yanacachi, ein kleines Dörfchen in den Südyungas. Dabei haben wir über Themen, wie die politische Situation boliviens gesprochen. Ein Thema, was ich anlässlicher der vielen Konflikte unglaublich spannend finde und unbedingt mehr wissen will. Gleichzeitig bedeutete es aber auch den Abschied von vielen anderen Freiwilligen, die ich wohl so schnell nicht mehr wiedersehen werde.
Im Anschluss an das Seminar bin ich noch nach Coroico gefahren und habe dort einen Bekannten besucht. Ich muss sagen, dass mich Coroico ebenso beeindruckt hat, wie Yanacachi und mein Weg bis dahin. Die Yungas sind mit ihrer reichhaltigen Natur einfach super spannend und ganz anders, als die Berge in La Paz oder Cochabamba. Dort wird viel Obst angebaut und ich habe das erste Mal in meinem Leben eine Kaffee Pflanze gesehen.
Das einzige Problem sind die Wege, denn diese schlängeln sich an den Bergen entlang und sind somit super gefährlich. Einen Tag nach meiner Abreise ist „mal wieder“ ein Bus abgestürzt und hat mit sich 40 Jugendliche in den Tod gestürzt. Ein sehr beklemmendes Gefühl, wenn ich überlege, das sich den gleichen Weg weniger Tag zuvor langgefahren bin. Diese Unfälle sind leider keine Seltenheit, denn viele Fahrer fahren sehr verantwortungslos und rasen an den Bergen und engen Straßen entlang.



Die YUNGAS





In Coroico

So ein kurzer Zwischenstand.
Alles liebe ins warme Deutschland
Steffi

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