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Samstag, 3. März 2012

Bienvenidos im Karneval 2012; Vom Osten in den Westen und ins Herz


Karneval stand im Februar an und das bedeutet einen Monatsfeier. Doch bevor, ich mich aus dieses Highlight meines Jahres hier stürze, möchte ich zunächst von den Aktivitäten davor berichten.

Bevor man beim großen Karnevalsumzug antreten kann, gibts es eine Generalprobe. Die war schon anfang Februar. In T-shirts, die über die Herkunft der Tänzer aussagen, ging es also los mit dem Vorkarneval. In verkürzter Form haben wir schon einmal einen Eindruck bekommen, was uns 3 Wochen später erwarten sollte. Viele Menschen haben sich schon den Vorkarneval angeschaut und sich bei der Aufschricht meines T-shirts (s.u.) sehr gewundert, sich gefreut und mitgetanzt. Genau so, wie es im Karneval sein sollte! Trotz alledem, waren wir danach furchtbar kaputt und von unseren Füßen brauchen wir nicht sprechen. Aber dafür hat es mal wieder richtig Spaß gemacht :)


Deutschland & Chicaloma (Dorf in den Yungas)

Tanzend und Singend
Den Sonntag darauf, war ich dann auf meiner erste Dorfhochzeit eingeladen. Und das war ein unbeschreibliches Erlebnis. Eine Hochzeit aus dem Dorf wird 3 Tage gefeiert! Der erste Tag lässt sich gut mit der Hochzeitsfeier in Deutschland beschreiben. Es wird in schicker Garderobe viel getanzt und gefeiert. Essen oder eine Hochzeitstorte fehlen aber. Dafür wird umso mehr getrunken und das sehr ausgelassen. Man lädt zu seine Hochzeit fast die ganze Dorfgemeinschaft, was das ganze zu einem Event macht. Am Sonntag kann man dann legere gekleidet auftauchen. Es wird zusammen gegessen und getrunken. Weiterhin getanzt, doch das ganz besondere ist das Geschenkeverteilen. Jeder Gast bringt sein Geschenk mit und überreicht es dem Brautpaar. Das geschieht mit viel Konfetti:
Die Braut mit meiner Freundin Carina im Konfetti Regen
Das wirkliche Highlight waren aber wirklich die Geschenke. Neben handlichen Geschenken und Kleinigkeiten, haben viele enorme Sachen geschenkt. Meine Highlights waren eine Sofagarnitur, eine Wohnzimmervitriene, eine Wachmaschine und ein High-Fi System. Und das wurde alles in den Saal geschleppt. Nachher hatte das Brautpaar eine halbe Wohnungseinrichtung geschenkt bekommen. Und das ist hier so üblich! Ich war wirklich beeindruckt und muss sagen, so eine bolivianische Dorfhochzeit wäre schon etwas...

Das darauffolgende Wochenende war es dann endlich soweit, dass ich den weiten Osten von Bolivien erkunden konnte. Für eine Seminar der Hermandas ( meiner Organisation) waren alle Freiwilligen nach Santa Cruz eingeladen. Das haben wir uns ja nicht zweimal sagen lassen und sind los nach Santa Cruz.
Zunächst wollten Sophie und ich nach Samaipata, aber durch die starken Regenfälle war das nicht möglich. Also haben wir den Freitag in Santa verbracht und die Stadt etwas kennengelernt. Die Hauptplaza ist wirklich schön und bildet ein schönes Zentrum der Stadt, doch darüberhinaus fand ich Santa Cruz nicht super spannend. Und die Hitze ist wirklich ein Faktor, der das Leben dort erschwert.
Vor der Kathedrale



Am Abend sind wir dann zu unserem Seminar aufgebrochen, dass zu unserem Bedauern eine Stunde von der Innenstadt enfernt lag. Doch in den folgende zwei Tagen haben wir viele neue Leute kennenlernen können, mit Ex-Freiwilligen uns austauschen können und einen Einblick bekommen, was unsere Organisation in Bolivien alles umfasst. Dieses Jahr der Partnerschaft steht im Zeichen des Umweltschutzes, was wir alle mehr als notwendig finden, wenn man sich das Leben in Bolivien anschaut. Vielerorts wissen die Menschen nichts über Müllentsorgung und ihre Folgen. Selbst in der Außenstelle meines Projektes verbrennen wir den Müll und damit Plastik, Papier, Batterien und alles, was so ansteht.  Also höchste Zeit  in diese Richtung zu arbeiten. Ich bin schon auf der Suche nach einer gescheiten Umsetzung eines Umweltprojektes. Mal sehen, wie erfolgreich das wird.
Am Abend haben wir dann eine interkulturelle Nacht gemacht, in der jedes Departamente etwas vorführen musste. Als Cochabambina bzw. angehende Cochabambinerin habe ich unsere Nationalteam beim Tanzen unterstützt und als Cholita kräftig mitgetanzt:


Tarijas wunderschöne Frauen
Darauf ging es wieder zurück nach Cochabamba und das leider mit unzähligen Mückenstichen. Aber auch vielen neuen Erfahrungen!
Bevor ich das nächste Wochenende nach Oruro aufbrechen konnte, bin ich erstmal in die Elektionen der Miss Karnveal reingeraten. Naja ich habe viel mehr meine Freundin unterstützt, dich sich diesem Kampf gestellt hat.Und da wurde mit allen Mitteln gekämpft. 14 Misses aus 60 Bruderschaften, die am Karneval tanzen. Ich fands sehr interessant, hat aber auch gezeigt, dass eine Misswahl einen internationalen Charakter hat. Am Ende hat sie leider nicht den ersten Platz gemacht, aber dafür haben wir einen Preis für den besten Tanz als Gruppe bekommen und das ist für uns um einiges mehr Wert, als den Titel: Miss Carnaval 2012!

Miss Saya 2012
Außerdem haben wir im Projekt noch Karneval gefeiert und an einem kleinen Umzug im Barrio teilgenommen. Die Kinder wurden geschminkt und sind wir mit Kostüm und Musik losgezogen. Die älteren haben getanzt und als Cholitas alles gegeben, während wie kleinen eher das ganze Spektakel genossen haben.




Also ein Umzug für Groß und Klein! Aber ich fand es war doch eine schöne Sache daran teilzunehmen und sich als Guarderia vorzustellen. Am Nachmittag haben Larissa, Dimelza und ich noch Kinderschminke angeboten und die kleinen zu Marienkäfern, Schmetterlingen und Mäusen verwandelt.



einige der Resultate
Bereits am Freitag darauf ging es dann nach Oruro, wo die größte Karnevalsfeier des Landes stattfinden sollte. Aus ganz Bolivien kommen die Menschen, um sich die berühmte Entrada anzugucken. Sogar aus dem Ausland kommen die Menschen, um dieses Spektakel nicht zu verpassen. Der Höhepunkt des Jahres für Oruro, das sonst wegen seiner Kälte und Höhe oftmal nur gemieden  wird. Doch an diesem Wochenende wird es teuflisch wild. Die Teufel des Tanzes "Diablada", die den Traditionstanz Oruros darstellen, kommen hervor. Und das mit Masken und Kostümen, die einfach nur beerindruckend sind. Dafür hat sich der Karneval wirklich gelohnt. Gut, wir haben 14 Std. zugesehen und wurden mit Schaum und Wasser abgespritzt, doch haben wir mitgetanzt, gelacht und ein wirkliches schönes Fest genossen. Besonders Carporales hat es uns angetan! Der Tanz aus Cochabamba ist wirklich schön und besonders der männliche Part animiert zum mitmachen. Daneben gab es noch eine Menge anderer Tanzgruppen, die mit aufwändigen Kostümen, wunderbaren Musikbands und langen Zügen das Publikum beeindruckt haben. Was ich leider wirklich schade fand, war die fehlende Variation, denn obwohl Bolivien so viele folklorische Tänze hat, wurden nur einen handvoll davon präsentiert. Viele Tänze fehlten und besonders kleinere Gruppen sind nicht angetreten, aber die Entschädigung folgte ja in Cochabamba.


                                                      DAS HIGHLIGHT

Was ich hier so groß als mein persönliches Highlight präsentiere war der Karnevalsumzug in Cochabamba oder auch der GRAN CORSO DE COCHABAMBA.
Das Wochenende nach Oruro folgte der große Umzug von Cochabamba, an dem mehr als 70 Tanzgruppen teilgenommen haben. Eine davon war meine Saya Gruppe. Ich habe ja bereits davor schon beschrieben, dass ich nun auch das Tanzbein in Bolivien zu diesen besonderen Anlässen schwinge. Der Corso von Cochabamba ist eines der wichtigsten dieser Anlässe und wahrscheinlich auch eines der schönsten. Um etwa zwei Uhr nachmittags haben wir losgelegt und waren um 6 kaputt aber glücklich endlich fertig.  In den 4 Stunden dazwischen haben wir mit Cochabamba getanzt. Es war einfach unglaublich, wie viele Menschen von ihren Sitzen aufgesprungen sind, uns angefeuert haben oder gleich mitgetanzt haben. Eine solche Lebensfreude hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Ich war restlos beeindruckt, weil ich das Gefühl hatte, alles richtig zu machen und die Menschen mit meinem Tanz zu erfreuen. Nichts schöneres kann es für einen Tänzer geben, meiner Meinung nach. Am Ende musste sogar die Polizei einschreiten, weil so viele Menschen tanzen wollten und somit kein Durchkommen mehr war. Ich bin wirklich so froh, dass ich Teil dieses Spektakels sein konnte und einmal wieder die bolivianische Lebensfreude voll zu spüren bekommen habe! Welch wunderschönes Erlebnis :)




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