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Samstag, 21. Juli 2012

Der letzte Akt

Jedes große Stück, Drama, Komödie etc. findet irgendwann sein Ende im Schlussakt. Diesen Schlussakt habe ich zu meinem Leidwesen erreicht.
Ich möchte kurz resümieren, was ich die letzten Wochen so gemacht habe.

Zunächst einmal gab es wieder einmal ein großes Fest und gleichzeitig eine neue Gelegenheit für mich zu tanzen. An San Juan ist im ganzen Land Fiesta mit typischen Ritualen und viel Alkohol. Ich habe es tanzend verbracht, denn zu Ehren San Juan Bautiso haben wir in der Zona Sur getanzt. Daher stammt auch das Video aus meinem letzten Beitrag. Mir hat es wieder einmal sehr sehr gut gefallen und es war vom Aufbau, wie die mini-mini-mini Entrada Oruros. Am Ende musste man in die Kirche einziehen mit allen und beten.

Mit mini-Morenadas

Mit Pujkay´s Tämnzerinnen

Da habe ich mir eben die Bolivien Fahne gemopst.

 

Bei Warmi gab es auch ein Außerordentliches Fest: das Familienfest. Dazu haben die Kinder verschiedene Tänze vorbereitet und jede Gruppe hat irgendwas präsentiert. Die Kleinsten haben mit Spidy Gonzales gerockt während die Größeren mit Theater und Hip-Hop Tänzen überzeugt haben. Daneben wurden typische Teigfladen (Bunuelos) mit Api (Glühweinähnlich) verkauft.
Viele Eltern kamen, um sich ihre Kinder anzuschauen, was mich sehr an meine eigene Kindheit erinnert hat. Am Ende haben wir noch eine Verlosung gemacht und Canastones (Warenkörbe) verschenkt. An sich ein sehr nettes Fest.



Hand in Hand- hier mit Api und Bunuelos

 
Anfang Juli waren wir dann mit den Kleinsten im Park. Dieses Mal sogar in einem Lehrnpark. Mit verschiedenen Spielgeräten aber auch einem Verkehrskindergarten. Die Kinder waren begeistert von den vielen Spielgeräten. Jedes musste ausprobiert werden. Aber auf rund 30 kleine Kinder aufzupassen ist auch kein Zuckerschlecken. Die größeren verstecken sich und die kleineren trauen sich noch nicht auf die Spielgeräte. Man muss also wirklich aufpassen.
Zwischen dem Spielen haben wir immer mal wieder eine kleine Verschnaufspause gemacht.Gegessen und getrunken und dann wieder weiter gespielt.



 
In Tiquipaya habe ich die Ferien genutzt, um verschiedene Aktionen durchzuführen. Ich habe mit dem Kinder zusammen ein kleines Kino veranstaltet und ihnen einen Film zum Medio Ambiente gezeigt. Zu meinem Glück kam vor wenigen Monaten ein Film in die Kinos, der genau für ihre Altersklasse ist und in einer infantilen Weise die Konsequenzen des Baumabholzens zeigt. Die Kinder waren begeistert, sowohl groß als auch klein. Unsere Zwillinge haben sogar so lange gebettelt bis ich ihnen den Film geliehen haben.


 
Darüberhinaus habe ich gemeinsam mit Larissa in Tiquipaya einen Deutschland-Tag gemacht. Wir haben eine Präsentation angefertigt und gemeinsam mit den Kinder unsere Heimat präsentiert. Viele Kids hatten auch interessante Fragen: Warum hat eure Fahne diese Farben?Warum ist eine Frau an der Macht? Wie schmeckt süßer Senf? Wie tanzt ihr?
Eine Menge Fragen, die das Ganze aber um einiges dynamischer und interessanter gemacht haben. Mir hat es unglaublich gut gefallen.
Danach gab es noch „typisches“ Essen. Aus zeitlichen Gründen haben wir dabei zu Nudelsalat mit Würstchen gegriffen. Dies hat den Kindern aber sehr gut gefallen und es wurde immer um Nachschlag gebeten.
ViVa Alemania!



"typisch deutsches Essen"- so gut es halt geht:Nudelsalt mit Würstchen



In der gleichen Woche habe ich dann auch meine große Aktion durchgeführt: Eine Stadttour mit den Kindern aus dem Vorort Tiquipaya. Während meiner Zeit in Bolivien habe ich gemerkt, dass viele dieser Kinder keine Idee von Cochabamba haben, obwohl sie nur eine halbe Stunde entfernt wohnen. Sie kannten die wichtigsten und auch schönsten Seiten ihrer „Hauptstadt“ nicht. Das fand ich sehr schade und habe gemeinsam mit der meiner Chefin vor Ort diesen Ausflug geplant. Dank der lieben Spenden aus meinem Familienkreis konnten wir Bus und Verpflegung bezahlen und so den Ausflug durchführen. Danke dafür!
Zunächst sind wir zum Stadium in Cochabamba, wo die großen Fußballclubs ihre Spiele haben. Ein Highlight für die kleinen Fußballfans, die diesen Ort höchstens aus dem Fernsehen können. Durch Glück und vielem Fragen haben wir eine Führung durch das Stadium bekommen und konnte auf den Rasen und in eine der Spielerkabinen. Besonders war auch der Laufring um das Feld, der natürlich gleich ausprobiert werden musste! Also alle Kinder haben eine Runde gedreht und dann ging es auch schon zur nächsten Station. Dem Rathaus der Stadt. Für einige war es nicht sonderlich interessant, während andere sogar die Namen der wichtigsten Ratsmitglieder wussten.
Danach ging es zur Hauptplaza, wo wir Tee und Brötchen serviert haben. Die Kinder waren besonders begeistert von den vielen Tauben und sind sofort auf Taubenjagd losgezogen. Da musste man hinterherlaufen, um die Tauben zu beschützen.
Dann haben wir ganz kurz de Kathedrale Cochabambas besucht um den vielen Atheisten auch eine historische Kirche zu zeigen. Mit unsere Professora konnten die Kinder auch einiges über die vielen Symbole und Heiligen lernen, da sich Professora Eva sehr dafür interessiert.
Im Parque Botanico haben die Kinder noch Fische gesehen, die sie auch gleich fangen wollten, und verschiedene Bäume und Pflanzen bewundern können.
Zum Mittagessen sind wir dann nach Pacata aufgebrochen, um gemeinsam mit den Kindern des Hauptprojektes zu Essen. Diese Integration an Kindern der Stadt und vom Land fiel nicht leicht. Aber gespielt und gelacht wurde trotzdem eine Menge. Nach dem leckeren Essen, dass alle aufgegessen haben (trotz des verhassten Broccolies) sind wir zu unserer nächsten und letzten Station aufgebrochen: Dem Flughafen von Cochabamba. Dort wurden wir überraschenderweise von den Feuerwehrleuten begrüßt und haben von ihnen eine Führung bekommen. Uns wurden ihre Löschfahrzeuge gezeigt und jedes Kind durfte auch einmal mit dem Schlauch Wasser verspritzen. Danach haben wir noch eine Show bekommen, wie ein richtiger Einsatz durchgeführt wird. Ein wirklich schönes Erlebnis mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Dazu haben wir Flugzeuge landend und abfliegend gesehen, was besonders unsere Köchin beeindruckt hat: Da ist das erste Mal, dass ich ein Flugzeug sehe, was landet und startet!
Ich bin abends super glücklich aber auch kaputt angekommen. Doch den Kindern hat es super gut gefallen und das ist das allerwichtigste.



In der Kabine deines Fußballclubs


Fischefangen im Botanischengarten
Mittagessen in Pacata
Mit den Kindern aus Tiquipaya in der Seifenfabrik
Das wohl schönste Erlebnis:Die Kinder am Spielen mit den Rolltreppen, denn sowas haben sie vorher noch nie gesehen..
Bei der Feuerwehr

Das Spektakel: eine Vorführung der Fahrzeuge
 

Am Wochenende war ich dann noch an einer Lagune Fischessen mit meiner zweiten Familie.


 Final noch ein bisschen auf Tiquipaya aus meiner letzten Woche:



Der Versuch eine Pyramide zu bauen...
 
Evita beim Erbsenpulen (4Jahre alt)
 
Gruppenfoto
 
So die letzte Woche steht an und ich kann es immer noch nicht glauben, dass nun 12 Monate vorbei sind. Wie schnell das ging und wie viele tolle Erlebnis ich hatte. Ich bin unglaublich dankbar für all dies und hoffen von Herzen, dass ich schon bald in dieses tolle Land wieder zurückkehren kann.


Con carino: Estefy


Sonntag, 1. Juli 2012

Geschmacksprobe


Buenas liebe Leute aus Deutschland!
Ein kleiner Einblick soll dieses Video geben, was genau "Saya-Afro" ist, von dem ich immer so viel berichte. Eine  kleine Session, so wie es in den Yungas oft gespielt wird und mit trommelrhythmus unterstrichen wird.
Ich hoffe, dass ich den Bericht zum großen Fest für San Juan bald fertigstelle!

Freitag, 15. Juni 2012

Festlichkeiten und Dschungel



Ay que frío! (mensch ist das kalt)
Das kommt mir immer öfters über die Lippen, denn der Herbst hat aufgehört und wie steuern auf den bolivianischen Winter zu. Doch der ist ganz anders,als unser deutscher Winter. Morgens und besonders nachts ist es furchtbar kalt. Wie sehr ich mir da doch das Daunenbettdeck wünsche, anstatt drei Wolldecken. Und vorallem einer Heizung, aber gut wir haben die Minustemperaturen noch nicht erreicht, aber das steht uns wohl noch bevor, wenn man den Cochabambinos glauben soll. Am Tag widerrum spinnt Petrus. In der Sonne ist es kaum auszuhalten, so warm wird es. Und durch die besondere Radiation ist ein Sonnebrand schon vorprogrammiert.Wie man sich da bloß anziehen soll? Mal sehen, was mir dann in La Paz bevorsteht.

Aber jetzt mehr zum Mai!
Gleich zu Beginn gab es eine sogenannte "Kermess" von meienm Projekt Warmi. Auf einer Kermess werden Essen,Trinken und andere Kleinigkeiten verkauft. Hauptsächlich um Geld zu bekommen. Daneben war es aber viel mehr auch ein Auftakt auf das große Jubiläum, was Warmi im Herbst zu verzeichnen hat. Nämlich den 30en Geburtstag, der schon jetzt für viel aufregung sorgt. Auf diesem kleinen Fest haben auch die Kinder und Jugendlichen aus dem Projekt gezeigt, was sie tanztechnisch so drauf haben!
Meine kleinen haben als Waka-Waka ihr bestes gegeben und die größeren in der
traditionellen Cholita Tracht Cochabambas. Denn schließlich ist das Tanzen ist eine ganz
wichtige Tradition, die ich allerdings spitzenmäßig finde, denn auch ich habe das
Tanzbein an diesem Tag geschwungen! Meine Saya Gruppe wurde engagiert zu spielen
und da ist es ja ganz selbstverständlich, dass ich dort auch tanze. Wir waren zwar nur in
kleinerer Besetzung da, aber trotzdem hat es allen unglaublich gut gefallen! Einige
Jugendliche meinte danach, dass es das beste am ganzen Tag war und ich werde wohl in
die Warmi-Freiwilligengeschichte eingehen, als einizige Weiße, die mit den



Afrobolivianern und dazu für Warmi getanzt hat. Aber mir macht es Spaß!Viele kamen gleich am Montag und haben erstmal gefragt:“ Hast du gestern getanzt?“ und sogar von den großen gab es großes Lob „Das war der beste Auftritt seit langem“. Da geht mir das Herz auf.
Ich denke, dass es alles in allem eine nette Veranstaltung war, die die „Warmi-Familie“ noch etwas mehr zusammenschweißte.

Die kleinsten als sog. Waka Waka

der traditionelle Tanz Cochabambas-Quequa

Saya

Saya
Eine kleine Abkühlung

Am 20.Mai haben wir dann in Tiquipaya einen Taller de Padres (Elternabend) der ganz besonderen Art gehabt. Diese sogenannten Tallers finden jeden Montag statt und sind zu ganz bestimmten Themen. Dieser Sonntag stand ganz im Zeichen der Familie. Es ging um Themen, wie Hygiene, Liebe und Zuneigung, Vorsorge, etc... Dazu haben die Psychologiefreiwilligen verschiedene Stationen vorbereitet, sodass das ganze eher wie eine Ralley wirkte. Viele Familien waren in voller Besetzung da, was so viel bedeutet, wie Vater,Mutter,1 Kind, 2 Kind, 3 Kind und manches mal auch noch die Großeltern. Ich fand es total schon so eine Innigkeit mitzuerleben, die man eigentlich bei vielen Kindern nicht erwartet. Am Ende gab es auch noch eine Tombula und viele Preise. Also ein schöner Sonntagvormittag.
Danach bin ich noch hoch ins Dorf, denn genau an diesem Sonntag war auch die Feier zu Ehren des Heiligen San Isidro, der Schutzpatron der Bauern und Agronome. Ganz klar, dass man zu diesem Anlass ein großes Fest feiert. Die kleine Dorfkapelle wurde mit Blumen und Kerzen geschmückt und überall waren Opfergaben für San Isidro aufgebaut. Daneben gab es aber auch viele Spiele für die Kinder und Chicha (Mais-Alkohol) für die Erwachsenen. Als traditionelles Gericht wurde „Chicharon“ serviert, ein Fleischmix mit Maiskolben (Moté) und scharfer Soße.Eines der typischen Gerichte aus Cochabamba. Am Nachmittag gab es noch verschiedene Spiele, Wettkämpfe und andere Auftritte, zB. Wurde das beste Ackervieh gekürt, in dem man auf einem leckeren Feld die Tiere hat antreten lassen. Als Prämien gab es Schiebkarren, Sensen und Schaufeln. 


Die ganze Familie

Prämien

Der Altar festlich geschmückt für San Isidro

Der Eingang zur Kapelle
Die Prämien nach dem Viehwettkampf


 Doch dieses Event habe ich nicht mehr miterleben können, da am Nachmittag der große Feier des 1.Geburtstags meines kleinen Gastneffen Samuel anstand. Denn das erste Jahr wird hier, oder in meiner Familie, groß gefeiert. Somit hat meine Gastschwester Natalia, mehr als 70 Gäste eingeladen. Hauptsächlich Familie und Freunde/Bekannte mit Kindern. Die Vorbereitungen haben schon Wochen zuvor angefangen. Denn aus meiner Erfahrung dient so ein Geburtstag hauptsächlich dazu um „mitzuhalten“ und „zeigen zu können, was man hat“. Das mag jetzt sehr hart klingen, aber der kleine ist 1 Jahr alt geworden und den Großteil seiner Feier verschlafen. Als Belustigung gab es einen Clown, der die Kinder 3h beschäftigt hat. Gerade das war für mich sehr komisch, wenn man bedenkt, was und besonders wo ich am Morgen war. Die Kinder haben also gespielt und die Eltern wurden im wahrsten Sinne des Wortes mit Essen „vollgestopft“. Meine Familie hatte wirklich an alles Gedacht! Zunächst gab es Windbeutel (mit extra viel Sahne), Empanadas, Sandwiches, Wackelpudding und nicht zu vergessen die riesige Torte. Dazu noch Coca-Cola, Fanta und Co.! Also eine ganze Menge zu essen. Zum „Abschied“ gab es dann noch für jedes Kind einen kleinen Süßigkeitenbeutel mit Spielsachen und einen Ball. Gut vermutlich sind viele Geburtstage in Deutschland ähnlich pompös, aber die vielen Kontraste machen es so schwierig dies auch so zu sehen. Viele der Kinder mit denen ich zusammenarbeiten bekommen zum Geburtstag noch nicht mal eine Umarmung und hier bekommt ein 1-jähriger eine große Feier, ohne das er sich je daran erinnern wird. Aber so ist das Leben nun mal hier und da man es in Cochabamba liebt groß zu feiern, wird hier jeder Anlass genutzt. Ich habe mal wieder eine interessante Erfahrung gemacht: einen Kindergeburtstag in Bolivien.



Die ganze Familie, samt Clown
Am 27.Mai war dann Muttertag in Bolivien. Eine Feier, die wohl ebenso groß, wie in Deutschland gefeiert wird und für die es jeden Kitsch gibt. Daneben ist dies aber auch der Tag der Heldinnen von Cochabamba (Heroinas de la Coronilla). Man gedenkt ihrer jedes Jahr für ihren Einsatz im Krieg um Cochabamba. Dort haben sich nämlich die Frauen formiert und haben sich gegen die Besatzungsmacht gewehrt. Leider haben sich verloren, doch ihrer wird auch nach 200 Jahren gedacht, denn sie sind die Heldinnen von Cochabamba. Natürlich gibt es auch ein Denkmal, was ich nach 10 Monaten das erste Mal besucht habe. Es steht auf einem kleinen Berg im Zentrum von Cochabamba und bietet einen wunderschöne Sicht auf meine große Stadt. Was man aber auch schön sehen kann, sind die Smogwellen über der Stadt. Ich war doch leicht schockiert über diesen Anblick. Über der ganzen Innenstadt liegt eine Wolke, die sich noch bis in die Vororte zieht. Ein deutliches Zeichen der Umweltverschmutzung, die hier alltäglich ist. Abgasfilter gibt es hier nicht und somit wird die Wolke wohl in den nächsten Jahren noch größer werden. Wie schade für diese wunderschöne grüne Stadt.
Das Waffenaufgebot,...

Smog üb er der Stadt

Das Denkmal

Schneebedeckte Gipfel
Lagunen
Anfang Juni war dann auch schon der Zeitpunkt unseres letzten Seminares da. Dieses haben wir mit einer zwei-tägigen Wanderung begonnen. Der sogenannte Wanderweg Takeshi, der auch einer der 4 Inkawege ist, wurde in Angriff genommen. Zunächst mussten wir 2 Stunden lang bergauf laufen von 4600m bis 4800. Ich habe noch nie etwas so anstregendes erlebt. Mir blieb praktisch die Luft weg, sodass ich kaum 10 Schritte laufen konnte. Dementsprechend dankbar war ich, als dann endlich das Kreuz sich näherte, dass den höchsten Punkt des Berges angab. Von da aus ging es dann runter und immer abwärts. Besonders interessant war der klimatische Wechsel. Wir haben im Altiplano angefangen und sind in den Dschungel gewandert. Vom kargen Land ohne Bäume,Sträucher oder reiche Natur- in den Dschungel. Ich war schon überrascht, als wir dann auf einmal zwischen Bananenstauden standen und vor lauter Bäumen die Berge kaum noch gesehen haben. Beeindruckend. Doch auch wenn es nur 20km waren, war diese Tag super anstrengend. Von der Bergspitze sind wir ungefähr 2000m hinabgestiegen. Besonders das geht in die Knie und Waden und macht die 20 km zu einer wahren Anstrengung. Genächtigt haben wir in einem Privathaus mitten in den Yungas. Dieses Bot eine wunderschöne Sicht auf die Südyungas. Am nächsten Tag ging es mit Muskelkater weiter hinab, denn es fehlten noch knapp 1000m Abstieg. Dieses Mal haben wir Flüsse passiert. Ich war so dankbar, als wir endlich in dem Dorf ankamen, wo das Seminar stattfinden sollte. Yanacachi, ein kleines Dörfchen in den Südyungas. Dabei haben wir über Themen, wie die politische Situation boliviens gesprochen. Ein Thema, was ich anlässlicher der vielen Konflikte unglaublich spannend finde und unbedingt mehr wissen will. Gleichzeitig bedeutete es aber auch den Abschied von vielen anderen Freiwilligen, die ich wohl so schnell nicht mehr wiedersehen werde.
Im Anschluss an das Seminar bin ich noch nach Coroico gefahren und habe dort einen Bekannten besucht. Ich muss sagen, dass mich Coroico ebenso beeindruckt hat, wie Yanacachi und mein Weg bis dahin. Die Yungas sind mit ihrer reichhaltigen Natur einfach super spannend und ganz anders, als die Berge in La Paz oder Cochabamba. Dort wird viel Obst angebaut und ich habe das erste Mal in meinem Leben eine Kaffee Pflanze gesehen.
Das einzige Problem sind die Wege, denn diese schlängeln sich an den Bergen entlang und sind somit super gefährlich. Einen Tag nach meiner Abreise ist „mal wieder“ ein Bus abgestürzt und hat mit sich 40 Jugendliche in den Tod gestürzt. Ein sehr beklemmendes Gefühl, wenn ich überlege, das sich den gleichen Weg weniger Tag zuvor langgefahren bin. Diese Unfälle sind leider keine Seltenheit, denn viele Fahrer fahren sehr verantwortungslos und rasen an den Bergen und engen Straßen entlang.



Die YUNGAS





In Coroico

So ein kurzer Zwischenstand.
Alles liebe ins warme Deutschland
Steffi

Donnerstag, 10. Mai 2012

Zeig mal deine Zähne

Sogar die Mamas lassen sich untersuchen


Zu diesem Thema erschien am 29.04.2012 im Kehrwieder ein Artikel von mir:

Oh wie süß! Zähneputzen in Bolivien:

"Wenn ich diese Aufforderung mal geltend machen würde, was für Zähne würden mir dann entgegenstrahlen? Leider sind es nicht die weißen und gepflegten, sondern Zähne die leiden. Die leiden, weil sie nicht richtig gepflegt werden und dementsprechend auch aussehen. Schon bei den Kleinsten sieht man die Löcher und schwarzen Punkte, die sich über die gesamte Kaufläche erstrecken. Braune Flecken oder ganz verstümmelte Zähne sind schon bei den 2-jährigen zu sehen. Ein wahrer Albtraum, wenn man dann noch die Klagen der Kinder bei Essen hört. „Professora, ich kann das nicht essen, mir tun meine Zähne weh“. Andere Kinder haben regelmäßig Hamsterbacken durch die Entzündungen an ihren Zähnen. Was vielleicht auf den erste Blick ganz niedlich aussieht, hat jedoch einen weniger netten Grund. Und was bereits so früh beginnt, dass geht dann auch weiter, denn die Löcher bleiben und vermehren sich nur noch durch die schlechten Essgewohnheiten. Die Gründe für dieses Problem sind genauso offensichtlich, wie die Schmerzen. Übermäßiger Süßigkeitenverzehr, also Zucker en más, und keinerlei Zahnpflege. Viele Kinder besitzen keine Zahnbürste und falls doch, dann wird diese nicht benutzt. Letzteres ist vor allem Aufgabe der Eltern, die sich jedoch nicht darum kümmern. Schließlich haben auch sie Löcher gehabt und das ist ja kein Problem bei Milchzähnen, schließlich fallen die ja raus. Das die Infektion jedoch bereits durch den Milchzahn auf den Nachfolger übertragen wird, wird übersehen. Und das viele ihre „Zweiten“ genauso wenig pflegen, wie ihre Milchzähne, dass entfällt ebenfalls. Auch die älteren Kinder haben gravierende Löcher und Karies. Und das obwohl diese Zähne permanent bleiben. Mit 11 Jahren können die ersten Zähne schon gezogen werden. Was bleibt dann mit 20 oder 29 Jahren an Zähne? Eigentlich nicht mehr viel. Schaut man sich die Leute vom Campo an, dann sieht man, dass viele mit Mitte 30 kaum noch Zähne haben. Aber das ist ja „normal“.
In meinem Projekt sehen wir das allerdings anders. Die Kinder sollten nicht leiden, nur weil ihre Eltern durch Unwissenheit und Gewohnheit keinen Wert auf die Zahnpflege setzten. Durch eine einmalige Spende von Zahnbürsten ist es uns zur Zeit möglich, dass wir zumindest mit den 1-5-jährigen jeden Tag die Zähne putzen und die Kinder dadurch den richtigen Umgang mit der Zahnbürste erlernen. Denn am Anfang wussten einige Kinder noch nicht einmal, was denn eine Zahnbürste ist, geschweige denn, wozu man diese benutzt. Zunächst haben wir also die kleinen Zähnchen geputzt und den Kleinen Stück für Stück gezeigt, wie sie auch ohne uns machen. Den Kindern macht dieses Ritual überraschenderweise sehr viel Spaß, sodass sie sofort nach dem Mittagessen fragen, ob es denn nun Zeit ist sich die Zähne zu putzen. Das ist eine schöne Bestätigung. Das Putzen hilft um neue Löcher zu verhindern, doch kann es alte Löcher und Karies nicht völlig auslöschen, deshalb arbeiten wir mit Zahnmedizinstudenten zusammen, die in den Härtefällen Löcher stopfen und den Karies wegbohren. Doch aus Materialmangel ist das nur wenigen Kindern vergönnt. Daneben geben die Studenten Aufklärungsunterricht bei Elternabenden, um auf die Gefahren des Übermäßigen Süßigkeitenverzehrs und die Spätfolgen für die Zähne hinzuweisen.Einige haben bereits jetzt schon gehandelt und man sieht, dass sie der Zustand der Zähne verbessert, doch andere sich leider unbelehrlich.
Wie man sieht, setzt meine Projekt viel daran, dass sich die Zahnsituation der Kinder ändert, doch solange Boliviens Eltern nicht einlenken und die zahnmedizinische Versorgung weiterhin so teuer ist, wird das wohl ein harter Weg werden."

Egal, ob draußen oder drinnen..







Das Thema Zahnhygiene begleitet mich bereits seit dem Beginn meines Dienstes und wird bestimmt noch einige Freiwillige beunruhigen. Denn es gibt wirklich nicht schlimmeres, als in den Mund einer 2-jährigen zu gucken und schon in den kleinen Zähnchen schwarze Löcher, abgebrochene Zähne oder braune Streifen zu sehen. Ich hoffe, dass ich vielleicht noch etwas bewegen kann in der kurzen Zeit, die mir hier noch bleibt... und wenn es nur neue Zahnbürsten sind.