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Samstag, 3. März 2012

Bienvenidos im Karneval 2012; Vom Osten in den Westen und ins Herz


Karneval stand im Februar an und das bedeutet einen Monatsfeier. Doch bevor, ich mich aus dieses Highlight meines Jahres hier stürze, möchte ich zunächst von den Aktivitäten davor berichten.

Bevor man beim großen Karnevalsumzug antreten kann, gibts es eine Generalprobe. Die war schon anfang Februar. In T-shirts, die über die Herkunft der Tänzer aussagen, ging es also los mit dem Vorkarneval. In verkürzter Form haben wir schon einmal einen Eindruck bekommen, was uns 3 Wochen später erwarten sollte. Viele Menschen haben sich schon den Vorkarneval angeschaut und sich bei der Aufschricht meines T-shirts (s.u.) sehr gewundert, sich gefreut und mitgetanzt. Genau so, wie es im Karneval sein sollte! Trotz alledem, waren wir danach furchtbar kaputt und von unseren Füßen brauchen wir nicht sprechen. Aber dafür hat es mal wieder richtig Spaß gemacht :)


Deutschland & Chicaloma (Dorf in den Yungas)

Tanzend und Singend
Den Sonntag darauf, war ich dann auf meiner erste Dorfhochzeit eingeladen. Und das war ein unbeschreibliches Erlebnis. Eine Hochzeit aus dem Dorf wird 3 Tage gefeiert! Der erste Tag lässt sich gut mit der Hochzeitsfeier in Deutschland beschreiben. Es wird in schicker Garderobe viel getanzt und gefeiert. Essen oder eine Hochzeitstorte fehlen aber. Dafür wird umso mehr getrunken und das sehr ausgelassen. Man lädt zu seine Hochzeit fast die ganze Dorfgemeinschaft, was das ganze zu einem Event macht. Am Sonntag kann man dann legere gekleidet auftauchen. Es wird zusammen gegessen und getrunken. Weiterhin getanzt, doch das ganz besondere ist das Geschenkeverteilen. Jeder Gast bringt sein Geschenk mit und überreicht es dem Brautpaar. Das geschieht mit viel Konfetti:
Die Braut mit meiner Freundin Carina im Konfetti Regen
Das wirkliche Highlight waren aber wirklich die Geschenke. Neben handlichen Geschenken und Kleinigkeiten, haben viele enorme Sachen geschenkt. Meine Highlights waren eine Sofagarnitur, eine Wohnzimmervitriene, eine Wachmaschine und ein High-Fi System. Und das wurde alles in den Saal geschleppt. Nachher hatte das Brautpaar eine halbe Wohnungseinrichtung geschenkt bekommen. Und das ist hier so üblich! Ich war wirklich beeindruckt und muss sagen, so eine bolivianische Dorfhochzeit wäre schon etwas...

Das darauffolgende Wochenende war es dann endlich soweit, dass ich den weiten Osten von Bolivien erkunden konnte. Für eine Seminar der Hermandas ( meiner Organisation) waren alle Freiwilligen nach Santa Cruz eingeladen. Das haben wir uns ja nicht zweimal sagen lassen und sind los nach Santa Cruz.
Zunächst wollten Sophie und ich nach Samaipata, aber durch die starken Regenfälle war das nicht möglich. Also haben wir den Freitag in Santa verbracht und die Stadt etwas kennengelernt. Die Hauptplaza ist wirklich schön und bildet ein schönes Zentrum der Stadt, doch darüberhinaus fand ich Santa Cruz nicht super spannend. Und die Hitze ist wirklich ein Faktor, der das Leben dort erschwert.
Vor der Kathedrale



Am Abend sind wir dann zu unserem Seminar aufgebrochen, dass zu unserem Bedauern eine Stunde von der Innenstadt enfernt lag. Doch in den folgende zwei Tagen haben wir viele neue Leute kennenlernen können, mit Ex-Freiwilligen uns austauschen können und einen Einblick bekommen, was unsere Organisation in Bolivien alles umfasst. Dieses Jahr der Partnerschaft steht im Zeichen des Umweltschutzes, was wir alle mehr als notwendig finden, wenn man sich das Leben in Bolivien anschaut. Vielerorts wissen die Menschen nichts über Müllentsorgung und ihre Folgen. Selbst in der Außenstelle meines Projektes verbrennen wir den Müll und damit Plastik, Papier, Batterien und alles, was so ansteht.  Also höchste Zeit  in diese Richtung zu arbeiten. Ich bin schon auf der Suche nach einer gescheiten Umsetzung eines Umweltprojektes. Mal sehen, wie erfolgreich das wird.
Am Abend haben wir dann eine interkulturelle Nacht gemacht, in der jedes Departamente etwas vorführen musste. Als Cochabambina bzw. angehende Cochabambinerin habe ich unsere Nationalteam beim Tanzen unterstützt und als Cholita kräftig mitgetanzt:


Tarijas wunderschöne Frauen
Darauf ging es wieder zurück nach Cochabamba und das leider mit unzähligen Mückenstichen. Aber auch vielen neuen Erfahrungen!
Bevor ich das nächste Wochenende nach Oruro aufbrechen konnte, bin ich erstmal in die Elektionen der Miss Karnveal reingeraten. Naja ich habe viel mehr meine Freundin unterstützt, dich sich diesem Kampf gestellt hat.Und da wurde mit allen Mitteln gekämpft. 14 Misses aus 60 Bruderschaften, die am Karneval tanzen. Ich fands sehr interessant, hat aber auch gezeigt, dass eine Misswahl einen internationalen Charakter hat. Am Ende hat sie leider nicht den ersten Platz gemacht, aber dafür haben wir einen Preis für den besten Tanz als Gruppe bekommen und das ist für uns um einiges mehr Wert, als den Titel: Miss Carnaval 2012!

Miss Saya 2012
Außerdem haben wir im Projekt noch Karneval gefeiert und an einem kleinen Umzug im Barrio teilgenommen. Die Kinder wurden geschminkt und sind wir mit Kostüm und Musik losgezogen. Die älteren haben getanzt und als Cholitas alles gegeben, während wie kleinen eher das ganze Spektakel genossen haben.




Also ein Umzug für Groß und Klein! Aber ich fand es war doch eine schöne Sache daran teilzunehmen und sich als Guarderia vorzustellen. Am Nachmittag haben Larissa, Dimelza und ich noch Kinderschminke angeboten und die kleinen zu Marienkäfern, Schmetterlingen und Mäusen verwandelt.



einige der Resultate
Bereits am Freitag darauf ging es dann nach Oruro, wo die größte Karnevalsfeier des Landes stattfinden sollte. Aus ganz Bolivien kommen die Menschen, um sich die berühmte Entrada anzugucken. Sogar aus dem Ausland kommen die Menschen, um dieses Spektakel nicht zu verpassen. Der Höhepunkt des Jahres für Oruro, das sonst wegen seiner Kälte und Höhe oftmal nur gemieden  wird. Doch an diesem Wochenende wird es teuflisch wild. Die Teufel des Tanzes "Diablada", die den Traditionstanz Oruros darstellen, kommen hervor. Und das mit Masken und Kostümen, die einfach nur beerindruckend sind. Dafür hat sich der Karneval wirklich gelohnt. Gut, wir haben 14 Std. zugesehen und wurden mit Schaum und Wasser abgespritzt, doch haben wir mitgetanzt, gelacht und ein wirkliches schönes Fest genossen. Besonders Carporales hat es uns angetan! Der Tanz aus Cochabamba ist wirklich schön und besonders der männliche Part animiert zum mitmachen. Daneben gab es noch eine Menge anderer Tanzgruppen, die mit aufwändigen Kostümen, wunderbaren Musikbands und langen Zügen das Publikum beeindruckt haben. Was ich leider wirklich schade fand, war die fehlende Variation, denn obwohl Bolivien so viele folklorische Tänze hat, wurden nur einen handvoll davon präsentiert. Viele Tänze fehlten und besonders kleinere Gruppen sind nicht angetreten, aber die Entschädigung folgte ja in Cochabamba.


                                                      DAS HIGHLIGHT

Was ich hier so groß als mein persönliches Highlight präsentiere war der Karnevalsumzug in Cochabamba oder auch der GRAN CORSO DE COCHABAMBA.
Das Wochenende nach Oruro folgte der große Umzug von Cochabamba, an dem mehr als 70 Tanzgruppen teilgenommen haben. Eine davon war meine Saya Gruppe. Ich habe ja bereits davor schon beschrieben, dass ich nun auch das Tanzbein in Bolivien zu diesen besonderen Anlässen schwinge. Der Corso von Cochabamba ist eines der wichtigsten dieser Anlässe und wahrscheinlich auch eines der schönsten. Um etwa zwei Uhr nachmittags haben wir losgelegt und waren um 6 kaputt aber glücklich endlich fertig.  In den 4 Stunden dazwischen haben wir mit Cochabamba getanzt. Es war einfach unglaublich, wie viele Menschen von ihren Sitzen aufgesprungen sind, uns angefeuert haben oder gleich mitgetanzt haben. Eine solche Lebensfreude hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Ich war restlos beeindruckt, weil ich das Gefühl hatte, alles richtig zu machen und die Menschen mit meinem Tanz zu erfreuen. Nichts schöneres kann es für einen Tänzer geben, meiner Meinung nach. Am Ende musste sogar die Polizei einschreiten, weil so viele Menschen tanzen wollten und somit kein Durchkommen mehr war. Ich bin wirklich so froh, dass ich Teil dieses Spektakels sein konnte und einmal wieder die bolivianische Lebensfreude voll zu spüren bekommen habe! Welch wunderschönes Erlebnis :)




Dienstag, 7. Februar 2012

3965,25km Südamerika

Wie versprochen möchte ich kurz über meine Reise nach Argentinien und Chile berichten.
Eines steht für mich jetzt ganz deutlich fest: Südamerika ist einfach wunderbar!
Bisher kannte ich nur Bolivien, das Leben aus Cochabamba und habe mich schon sehr wohl gefühlt, doch mit der Reise habe ich noch ganz andere Länder und Orte kennenlernen dürfen, die mich alles beeindruckt haben.
Doch fangen wir von vorne an:
Von Potosi und meinem Seminar ging es mit der Flotta nach Tarija, einer Kleinstadt im Süden des Landes. Von dort sind wir dann mit einem Kleinbus 4 Stunden in den Süden und in die Tropen gefahren, bis wir dann schließlich an der argentinischen Grenze angelangt waren. Bei der Grenzüberquerung sind meine Freundin Anne und ich ins Schwitzen gekommen. Nachdem wir nämlich den Fluss, der die beiden Länder teilt, überquert hatten, musste wir noch rund 1,5 Kilometer laufen, um zum argentinischen Grenzposten zu kommen. Und das mit voller Gepäckausrüstung und in tropischer Hitze.. ich war unglaublich froh, dass wir nach der Stempelprozedur endlich in ein Taxi steigen konnten, dass uns in die nächste Stadt gefahren hat.



Von Omar ging es dann in einem super Luxus-Bus nach Salta, unserem ersten Zielort. Diese Fahrt habe ich sichtlich genossen, denn wir sind querbeet-ein durchs Land gedüst und haben so eine Menge sehen können. Mich hat das wirklich sehr beeindruckt und ich fand Argentinien gleich umso sympathischer.
Am frühen Abend sind wir dann in Salta angekommen. Gleich am nächsten Tag ging es auf Erkundungstour. Zunächst war alles noch sehr südamerikanisch, außer dass der Straßenverkehr um einiges ruhiger ist. Doch durch Zufall sind wir auf der Plaza Principal gelandet, die mich wirklich beeindruckt hat.




Irgendwie war das alles ein bisschen Mini-Europa mit einem tropischen Flaire. Ich habe mich wirklich heimisch gefühlt, was durch die große Fußgängerzone nur bestätigt wurde. Irgendwie wie Urlaub in Europa. Anne und ich haben uns langsam vorangerarbeitet, um Salta besser kennenzulernen. Neben dem Plaza gibt es viele schöne Kirchen:

In unserem Hostal haben wir dann auch einige Argentinier kennnegelernt, die uns viel über ihr Land und ihre Kultur erzählt haben (nebenbei uns auch auf einen Mate-Tee eingeladen habe, typisch aus einem Matebecher).

  Danach waren wir noch im großen Stadtpark Saltas, bevor es mit dem Bus weitergehen sollte:



Unsere nächste Station war dann ungewollt Tucuman, dennn leider haben wir keinen Direktbus mehr nach Cordobar. Zugleich war das die Möglichkeit Tucuman kennezulernen, welches in der argentinischen Geschichte der Befreiung eine wichtige Rolle gespielt hat.


Das Museum dazu haben wir dann am gleichen Tag noch besucht, um uns darüber zu informieren.
Anlässlich der drückenden Hitze, sind wir am Nachmittag zu einem großen See gefahren, um uns dort abzukühlen.
schön
Das warme Wasser, umgeben von Bergen, war wirklich schön und hat mich etwas an einen deutschen Baggersee im Sommer erinnert. Am Abend (und nach leckeren argentinischen Empanadas) haben wir dann endlich die Reise nach Cordobar antreten können. 500km im Bus bzw. eine Nacht, aber dann sind wir am Morgen endlich angekommen. Wie so oft haben wir uns erstmal zu Fuß ins Zentrum begeben. Doch genauso wie in Tucuman herschte wieder diese drückende Hitze, die einen nur ermüden lässt.

 Dennoch ist Cordbar echt eine schöne Stadt:



Die Plaza Principal


Die Kathedrale

Es hat mich alles sehr an eine europäische Großstadt erinnert mit latino Flair. Ansonsten fand ich es mehr als schön in Cordobar und habe es sehr genossen. Zudem wurden wie zum Empanadasessen eingeladen und haben so auch einmal das Familienleben in Argentinien kennenlernen können.
Doch leider ging uns die Zeit aus und es wurde nach nur wenigern Tagen Zeit nach Santiago de Chile aufzubrechen, eine Fahrt die weitere 500km Busfahrt bedeuteten.

Ciao Argentinia!
Bienvenida Chile! 


Nach einem Tag Busfahrt, Grenzkontrolle haben wir dann auch endlich Chiles Hauptstadt erreicht. Durch Freundschaften haben wir dort in einer WG leben können und uns mit anderen Freiwilligen austauschen können.
Ich fand Santiago von Anfang an unübersichtlich und laut. Besonders die Währung hat mich aus dem Konzept gebracht, denn 1€ sind hier run 660 Chilenos, 15€ etwa 10.000chilenos.
Am kommenden Tag gab es zunächst ein deutsches Frühstück, sogar mit Nutella, was wirklich himmlisch war. Generell gibt es in Chile und chiles Supermärkten wirklich alles. Besonders die Vielfalt an Käse habe ich genossen...genug von den Köstlichkeiten. Also am nächsten Tag haben wir uns Santiago, also das Stadtzentrum angeschaut. Zunächst ging es zum Plaza de las Armas, der groß angekündigt wird, aber eigentlich weniger spannend ist. Ich meine, dass eine Plaza eigentlich in jeder Stadt Südamerikas zu finden ist und sich daher viele auch sehr ähneln.
Besonders ist auf jeden Fall der Stadtberg mit einer Marienstatur. Von dort aus hat man einen schönen Berg auf die ganze Stadt und kann, wenn der Smog mal nicht so ausfällt sogar bis zum Meer gucken, was etwa 100km vor Santiago liegt.

Santiago en Smog



Santiago hat auf jeden Fall viele schöne Seiten und auch schöne Stadtteile. Wir waren danach noch in einem Szeneviertel essen und ich muss sagen, wirklich charmant.
Doch wir wollen ans Meer! Somit sind wir dann am Samstag früh aufgebrochen und nach Valparaiso gefahren einem kleinem Hafenort. Die Architektur der Häuser, die sich den Berg hochranken ist so unglaublich, dass viele Touristen das Unesco gekührte Städtchen aufsuchen.
 Nachdem wir uns zunächst verlaufen haben, sind wir dann zu den bunten Häusern gekommen und sind durch die verschiedenen Gassen gelaufen.

Blick aufs Meer





Valparaiso ist wirklich schön und nachdem wir so viel gelaufen sind, brauchten wir eine wirkliche Abkühlung. Nur gut, dass der Strand gleich inklusive ist. Also sind wir zum Strand aufgebrochen. Vorbei am Hafenbecken, an Seelöwen und alten Schiffwracks, die dem Strand Charme verleihen!

Böötchen


Pazifikstrand
Strandbaden und Wellereiten! Wir haben den Ausflug sichtlich genossen und das Meer. Nach einem halben Jahr wieder am Meer und das im Januar. Wunderschön.

 Nach diesem Tag ging es abends zurück nach Santiago, denn ich musste am nächsten Tag nämlich leider schon meine Heimreise antreten, die über Iquique nach Bolivien ging.
In Iquique habe ich noch einen Zwischenstopp eingelegt und auch dort den Strand genossen.
Strand in Iquique



Schneller als man glauben kann war mein Urlaub dann auch schon vorbei und ich wieder in Bolivien! Ich habe es aber sichtlich genossen einmal über den "Tellerrand" rausblicken zu können und andere Länder kennenlernen zu können!  Wunderbare Erfahrungen und Kulturen und wie anfangs gesagt:

SÜDAMERIKA IST WUNDERSCHÖN

Sonntag, 29. Januar 2012

Querbeet durchs Land

„Lange nichts mehr gehört?Dafür gibt’s nun die ausführliche Entschuldigung!“

Viel gibt es zu berichten, denn die letzten zwei Monate waren sehr ereignisreich.

Wie wichtig die Weihnachtsvorbereitungen in Bolivien sind, hatte ich ja im letzten Artikel schon dargestellt. Mitte Dezember folgte dann der Höhepunkt mit dem großen Weihnachtsfest in Tiquipaya. Schon einige Tage vorher habe ich mit zwei lieben Kolleginnen angefangen die Geschenkpakete fertigzustellen. Das bedeutet fast 600 Geschenke einzupacken und zwar für jedes der 100 Kinder in Tiquipaya. Wir Mama Noeles haben aber alles gegeben und unseren Auftrag erfüllt. 


An einem Sonntag wurde dann Weihnachten gefeiert! Mit der Unterstützung der Universität „NUR“, die mit Clowns und einem Animationsprogramm für Stimmung sorgten. Es wurde getanzt und viel gelacht. Kleine Wettbewerbe und Spiele haben zusätzlich für Spannung gesorgt. Ich habe an diesem Tag nur glückliche Gesichter gesehen, was mich sichtlich erfreut hat. Daneben haben auch viele Eltern teilgenommen und ihre Kinder begleitet. Als Höhepunkt gab es dann die Geschenkpakete für die Kinder. Für mich war es ein wirklich schönes Fest und ich denke, dass es vielen Kindern ebenfalls sehr gefallen hat. Gerade für die, die kein Weihnachtsfest mit ihrer Familie haben, war es ein sehr schöner Ersatz.
"Zeigt uns, was ihr bekommen habt"



Mit dem Weihnachtsfest in Tiquipaya hat dann auch das Jahr in Tiquipaya geendet und die Sommerferien angefangen. Erfreulicherweise für mich, habe ich Besuch von meinem Vater bekommen, der Bolivien und mein Leben hier gern besser kennenlernen wollte. Also startet eine zweiwöchige Tour durch Bolivien. Dabei haben wir Sucre, die weiße Hauptstadt, besucht. Sind von dort aus aufgebrochen in den Süden und zum Salar de Uyuni. Glücklicherweise hat es zu dieser Zeit nicht geregnet, denn sonst wäre der Salzsee nicht passierbar gewesen.
(da ich bereits in einem älteren Artikel darüber berichtet habe, lassen wir nähere Beschreibungen zum Salzsee aus)
Die weiße Recoleta-Kirche in Sucre    


Am Salar
Vom Salar ging es dann nach La Paz und zum Titicacasee. Das Andenmeer hat mich wirklich beeindruckt. Die Bolivianer sind sehr stolz auf das einzige Gewässer, was ihnen geblieben ist, denn bis heute wird der Verlust des Meerzugangs von 1884 sehr bedauert. Jedes Jahr wird hier der Tag des Meeres gefeiert und die Rückeroberung gefordert (dafür leistet man sich auch eine Marine!).
Als sind wir zum höchstgelegenden See der Welt aufgebrochen. Eine 3 stündige Reise durch den Altiplano und verschieden Dörfer. Einmal übersetzen mit dem Boot und dann waren wir schon in Copacabana, unserem Zielort. Copacabana hat nicht nur eine wunderschöne Kapelle, in der die schwarze Madonna, die Schutzpatronin des Titicacasees, steht, sondern eignet sich auch ausgezeichnet für Ausflüge zur Isla del Sol. Bevor wir aber zur Sonneninsel aufgebrochen sind, haben wir einen Ausflug auf einen Berg gemacht um das Horca del Inca zu besichtigen. Das Horca del Inca war ein wichtiges astronomisches Observatorium, um die Tag-und Nachtgleiche der jeweiligen Jahreszeit anzupassen. Der Berg gilt daher als heilig und viele Einwohner bringen jedes Jahr Opfergaben und Presente, um Gott dafür zu danken.
Vom Berg hat man zugleich aber auch eine wunderschöne Sicht auf Copacabana und den Titicacasee. 

Die Kapelle mit der schwarzen Madonna

Die Kerzenkapelle

Copacabana

Copacabana & d. Titicacasee

Das Horca del Inca


 Am nächsten Tag ging es dann früh morgens mit dem Boot zur Isla del Sol. Gemeinsam mit einem Guide haben wir die Nordspitze erkundet und vor allem die schöne Landschaft genossen. Danach ging es dann in den Süden der Insel. Und die Sonneninsel hat ihrem Namen auch alle Ehre gemacht. Der Weg mit dem Boot war sehr beschwerlich, da viel Regen und hoher Wellengang die Fahrt verlangsamt haben. Doch kaum waren wir an der Nordspitze ausgestiegen, erstrahlte die Sonne und wärmte uns auf! Die Lektion kam dann leider am Abend, als uns ein dicker Sonnenbrand gezeigt hat, dass die Sonne bei 4300m super gefährlich sein kann.
Auf der Isla del Sol

Nach 3 Tagen Andenmeer ging es für die Weihnachtsfeiertage wieder zurück nach La Paz. Dort haben wir dann zusammen Weihnachten verbracht. Was uns jedoch sehr verwundert hat, war das bunte Treiben zur später Stunde an Heilig Abend. Menschenmassen haben sich durch die Einkaufsstraßen geschoben und alle Plazas voll. Wir haben das zunächst gar nicht verstanden, denn eigentlich bedeutet Weihnachten das Beisammensein in der Familie. Die „Noche buena“ beginnt hier aber erst um 23h, sodass viele die Zeit davor nutzen, um Geschenke zu kaufen oder Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Danach fahren sie dann zu ihren Familien, wo gemeinsam gegessen wird und danach dann die Geschenke ausgepackt werden. Viele gehen davor auch noch in die Kirche, wo Kinder und Erwachsene das Krippenspiel aufführen.
Alles in allem muss ich schon sagen, dass sich das bolivianische Weihnachtsfest nicht allzu sehr von dem deutschen unterscheidet. Schließlich haben wir einen ähnlichen religiösen Hintergrund und die Spanier haben ebenfalls viele europäische Traditionen mitgebracht.
 
Bevor es dann auf die Heimreise nach Cochabamba ging, haben wir uns noch Tiwanaku, einen Ruinenstätte der Tiwanaku-Urkultur, angeschaut.Doch leider hat uns die Ruinenstätte, die sogar als UNESCO-Weltkurturerbe ausgezeichnet ist, sehr enttäuscht. Man kann kaum etwas erkennen und so bleiben viele Steinformationen ohne besondere Bedeutung. Nur 2 Staturen und das Sonnentor waren wirklich sehenswert und interessant. Ansonsten kann man den Besuch leider nicht empfehlen.


Ponce-Monolith
Das Sonnentor
Wenige Tage später habe ich mich dann von meinem Vater verabschieden müssen, der wieder zurück nach Deutschland geflogen ist. Doch meine Reise ging gleich weiter, nämlich nach Sucre, wo ich gemeinsame mit meinem Mit-Freiwilligen ins neue Jahr gefeiert habe. Es war eine schöne Feier und es tat auch wirklich gut so viele nach vielen Monaten wiederzusehen.

Im Anschluss ans neue Jahr, sind wir dann zu unserem Seminar nach Potosi aufgebrochen.




Etwa eine Stunde von der Stadt entfernt, in einem kleinen Örtchen namens Tarapaya, haben wir also eine Woche unsere gegenwärtige Situation reflektiert und uns mit den anderen Freiwilligen ausgetauscht. Besonders letzteres fand ich unglaublich sinnvoll und angenehm. Zu erfahren, wie es den anderen ergangen ist und wie sie zur Zeit leben und in ihrem Projekt arbeiten. Daneben sind auch einen Tage nach Potosi gefahren und haben eine Minentour in den Cerro Rico gemacht, den reichen Berg der Stadt. Diesem Berg verdankte Potosi einst den Ruf, als reichste Stadt der Welt! Über 60.000 Tonnen Silber wurden in 3.Jahrhunderten abgebaut, doch der Preis dafür war sehr hoch. Die unbarmherzigen Arbeitsbedingungen haben hunderten Menschen das Leben gekostet, weshalb die Indigenen den Cerro Rico auch als „Eingang zur Hölle“ nennen.
Heute ist der Berg weitgehend ausgebeutet und gleicht einem schweizer Käse. Nur wenige versuchen ihr Glück mit waghalsigen Sprengungen, um noch etwas zu finden.

Der Cerro Rico


Der Diabolo- Schutzpatron der Minenarbeiter
Mit diesem Vorwissen war es ein sehr beklemmendes Gefühl in den Berg zu steigen. Natürlich hat man uns vorher spezielle Kleidung gegeben, es musste „eingekauft“ werden, denn als Eintritt dienen Geschenke für die Minenarbeiter (Dynamit,Alkohol,Coca,Zigaretten). Danach haben wir dann den dunklen Berg betreten. Auf dem Kopf einen Helm mit einer kleinen Leuchte, die den Weg kaum ausgeleuchtet hat. Auf unserem Weg in den Berg sind uns immer wieder Minenarbeiter begegnet. Von 14-30 Jahren ist hier das Durchschnittsalter, die Arbeit anstrengend und viele sterben in jungen Jahren an Staublungen.
Ich fand den Besuch unglaublich spannend, auch wenn er mich an meine persönlichen Grenzen gebracht hat. Unvorstellbar, wie so viele Menschen hier arbeiten und ihr Leben lassen. Der Besuch hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt.
Der Innehof des Casa de las Monedas
 
Am Nachmittag war ich dann noch im Museum „Casa de las Monedas“, welches die Geschichte rund um den Berg erzählt und gleichzeitig auch zeigt, wie bedeutungsvoll Potosi einmal war. Das Silber aus dem Berg wurde noch an Ort und Stelle zu Münzen verarbeitet und über Argentinien und das Meer nach Europa und Asien gebracht. In die ganze Welt lieferte die kleine Stadt Silber und andere Metalle.
Da ist es wirklich traurig, wenn man Potosi heute sieht. Die Stadt ist verfallen, vom alten Glanz kaum noch etwas zu sehen und viele Leute ziehen in andere Städte, weil sie keine Perspektive mehr sehen.

Das Ojo del Inca
Am Sonntag des Seminars haben wir dann die Lagune von Tarapaya besucht. Dem sogenannten Ojo del Inca wird eine heilende Wirkung nachgesagt, sodass nicht nur viele Touristen, sondern auch Einheimische kommen, um in dem ehemaligen Vulkankrater zu baden. Das Wasser ist unglaublich warm, doch muss man wirklich aufpassen, dass man sich nur am Rand aufhält, wegen der gefährlichen Wasserstrudel.
Nach einer Woche war dann unserer Seminar vorbei und alles sind in verschiedene Richtungen aufgebrochen. Für mich sollte es auf eine super schöne Reise nach Argentinien und Chile gehen, doch darüber möchte ich bald ausführlich in einem weiteren Artikel berichten.
Esteffy