Seiten

Donnerstag, 10. Mai 2012

Zeig mal deine Zähne

Sogar die Mamas lassen sich untersuchen


Zu diesem Thema erschien am 29.04.2012 im Kehrwieder ein Artikel von mir:

Oh wie süß! Zähneputzen in Bolivien:

"Wenn ich diese Aufforderung mal geltend machen würde, was für Zähne würden mir dann entgegenstrahlen? Leider sind es nicht die weißen und gepflegten, sondern Zähne die leiden. Die leiden, weil sie nicht richtig gepflegt werden und dementsprechend auch aussehen. Schon bei den Kleinsten sieht man die Löcher und schwarzen Punkte, die sich über die gesamte Kaufläche erstrecken. Braune Flecken oder ganz verstümmelte Zähne sind schon bei den 2-jährigen zu sehen. Ein wahrer Albtraum, wenn man dann noch die Klagen der Kinder bei Essen hört. „Professora, ich kann das nicht essen, mir tun meine Zähne weh“. Andere Kinder haben regelmäßig Hamsterbacken durch die Entzündungen an ihren Zähnen. Was vielleicht auf den erste Blick ganz niedlich aussieht, hat jedoch einen weniger netten Grund. Und was bereits so früh beginnt, dass geht dann auch weiter, denn die Löcher bleiben und vermehren sich nur noch durch die schlechten Essgewohnheiten. Die Gründe für dieses Problem sind genauso offensichtlich, wie die Schmerzen. Übermäßiger Süßigkeitenverzehr, also Zucker en más, und keinerlei Zahnpflege. Viele Kinder besitzen keine Zahnbürste und falls doch, dann wird diese nicht benutzt. Letzteres ist vor allem Aufgabe der Eltern, die sich jedoch nicht darum kümmern. Schließlich haben auch sie Löcher gehabt und das ist ja kein Problem bei Milchzähnen, schließlich fallen die ja raus. Das die Infektion jedoch bereits durch den Milchzahn auf den Nachfolger übertragen wird, wird übersehen. Und das viele ihre „Zweiten“ genauso wenig pflegen, wie ihre Milchzähne, dass entfällt ebenfalls. Auch die älteren Kinder haben gravierende Löcher und Karies. Und das obwohl diese Zähne permanent bleiben. Mit 11 Jahren können die ersten Zähne schon gezogen werden. Was bleibt dann mit 20 oder 29 Jahren an Zähne? Eigentlich nicht mehr viel. Schaut man sich die Leute vom Campo an, dann sieht man, dass viele mit Mitte 30 kaum noch Zähne haben. Aber das ist ja „normal“.
In meinem Projekt sehen wir das allerdings anders. Die Kinder sollten nicht leiden, nur weil ihre Eltern durch Unwissenheit und Gewohnheit keinen Wert auf die Zahnpflege setzten. Durch eine einmalige Spende von Zahnbürsten ist es uns zur Zeit möglich, dass wir zumindest mit den 1-5-jährigen jeden Tag die Zähne putzen und die Kinder dadurch den richtigen Umgang mit der Zahnbürste erlernen. Denn am Anfang wussten einige Kinder noch nicht einmal, was denn eine Zahnbürste ist, geschweige denn, wozu man diese benutzt. Zunächst haben wir also die kleinen Zähnchen geputzt und den Kleinen Stück für Stück gezeigt, wie sie auch ohne uns machen. Den Kindern macht dieses Ritual überraschenderweise sehr viel Spaß, sodass sie sofort nach dem Mittagessen fragen, ob es denn nun Zeit ist sich die Zähne zu putzen. Das ist eine schöne Bestätigung. Das Putzen hilft um neue Löcher zu verhindern, doch kann es alte Löcher und Karies nicht völlig auslöschen, deshalb arbeiten wir mit Zahnmedizinstudenten zusammen, die in den Härtefällen Löcher stopfen und den Karies wegbohren. Doch aus Materialmangel ist das nur wenigen Kindern vergönnt. Daneben geben die Studenten Aufklärungsunterricht bei Elternabenden, um auf die Gefahren des Übermäßigen Süßigkeitenverzehrs und die Spätfolgen für die Zähne hinzuweisen.Einige haben bereits jetzt schon gehandelt und man sieht, dass sie der Zustand der Zähne verbessert, doch andere sich leider unbelehrlich.
Wie man sieht, setzt meine Projekt viel daran, dass sich die Zahnsituation der Kinder ändert, doch solange Boliviens Eltern nicht einlenken und die zahnmedizinische Versorgung weiterhin so teuer ist, wird das wohl ein harter Weg werden."

Egal, ob draußen oder drinnen..







Das Thema Zahnhygiene begleitet mich bereits seit dem Beginn meines Dienstes und wird bestimmt noch einige Freiwillige beunruhigen. Denn es gibt wirklich nicht schlimmeres, als in den Mund einer 2-jährigen zu gucken und schon in den kleinen Zähnchen schwarze Löcher, abgebrochene Zähne oder braune Streifen zu sehen. Ich hoffe, dass ich vielleicht noch etwas bewegen kann in der kurzen Zeit, die mir hier noch bleibt... und wenn es nur neue Zahnbürsten sind.




Montag, 23. April 2012

Unter dem Stern des Osterhasen


 April April!
Tja jetzt nähern wir uns schon dem bolivianischen Herbst, der sich wirklich nicht viel vom Frühling unterscheidet. An manchen Tagen haben wir pure Hitze und an anderen Tagen ist es kalt und bedeckt. Nur der Regen bleibt aus, was doch sehr angenehm ist. Besonders nachts ist es aber wirklich kalt! Mir macht das um ehrlich zu sein etwas Angst, denn wenn wir uns jetzt erst im Herbst (Otono) befinden, was passiert dann im Winter. Denn Heizungen gibt es hier nicht und ich schlafe jetzt schon mit 3 Wolldecken. Naja da muss dann wohl ein ganz ganz dicker Alpacer Pulli gekauft werden. So viel zum Klima!

Aber nun zu den Ereignissen im April, denn der ist ja leider auch schon wieder halb vorbei. Die Zeit rast :(

Das erste Aprilwochenende war einer der Fußgänger- und somit Autofreien Tage. Da habe ich die Einladung zwei befreundeter Familien doch sehr gerne angenommen einen kleinen Ausflug zu machen. Unser Ziel: Der Christo von Cochabamba! Gut ist keine Neuigkeit mehr für mich, die so gut wie jeden Monat einmal diese Aussicht genießt. Doch dieses Mal gab es keine bequeme Seilbahn, denn schließlich waren alle Mobilitäten für diesen Tag außer Betrieb. Somit sind wir früh morgens aufgebrochen und haben den Berg des Christos von hinten erklommen. Das ist eindeutig ein Weg, der viel anstrengender ist, aber eine wunderschöne Sicht aus Cochabamba bietet! Und als Abenteuerer haben wir uns entschieden wegab den Christo zu erklimmern und sind dann einfach mal querbeetein den Berg hochmaschiert. Welche Anstregung, denn wir mussten uns zuletzt durch die Dornen kämpfen und haben nach dem Weg gesucht. Doch, am Ende sind wir angekommen und konnten die wunderschöne Sicht genießen und unserern erfolg feiern. Zurück ging es dann die 1300 Stufen runter. Ebenfalls eine Tortur, ohne Gelände und bei fast 90°. Naja ich fand den Ausflug schön und neben der sportlichen Betätigung, war es ebenfalls ein lustiger Zeitvertreib.

COCHABAMBA- Ciuidad de Valle


Trepp ab.. sind ja nur 1300

Es folgte die Semana Santa: Also die heilige Woche/Osterwoche. Bei Warmi haben wir nur bie Mittwoch gearbeitet. Hier hat man nämlich Gründonnerstag und Karfreitag frei. Am Gründonnerstag gibt es am Abend ein schöne Ritual. Ein müssen nämlich 12 Kirchen besucht werden. Am 16h füllte sich also prompt das Stadtzentrum und die Kirchen haben ihre Türen geöffnet, die normalerweise verschlossen bleiben. Die Menschen(cochabambinos) strömen los, um sich die 12 Kirchen anzugucken, Auf den Straßen werden neben typischen Gerichten (Api(Glühweinähnlich), Munuelo (Schmalzkuchenähnlich), Arroz con leche (flüssiger Milchreis) und und und). Darüberhinaus konnte man an jeder Ecke die Jesusgeschichte bekommen oder kleinen Palmenkreuze. Also ich fand, dass diese Nacht echt flair hatte, auch wenn der Kirchengang eher ein Massengedränge war. Aber immerhin habe ich so einmal die Katedrale von Cochabamba besuchen können. Ich muss sagen, dass ich die Idee echt schön finde und es einige Leute bestimmt auch wieder an den Sinn des Kirchenlebens erinnert. Also "he pasado muy bien"




Doch langer konnte ich nicht verweilen, denn am Karfreitag bin ich dann zu einer kleinen Reise aufgebrochen. Das Ziel: AIQUILE. Ein mittelgroßes Dorf 5 Std. von Cochabamba entfernt und der Einsatzort von Christian, einem meiner Mitfreiwilligen. Mein Minibus ist dann leider ausgefallen, sodass ich morgens 3 Std. im Kalten saß und auf meinen Bus gewartet habe. Aber ich bin angekommen und das ist in anbetracht der schlechten Strecke wirklich erfreuenswert. Gleich gab es eine kleine Führung durch Aiquile. Der Ort ist zwar nicht super groß, hat aber für meine Verhältnisse, doch alles, was man hier als Freiwilliger so braucht (besonders einen Mercado, wo man frischen Obstsalat essen kann). Danach haben wir uns noch die neue Kirche angeschaut, denn vor wenigern Jahren hat ein starkes Erdbeben den Ort dem Erdboden gleich gemacht. Nur die wichtigen Instutitionen wurden neuerrichtet. Doch an manchen Stellen kann man noch die Risse sehen.
Am nächsten Tag bin ich dann nach Misque aufgebrochen, einem Dorf, was etwas 1 Stunde von Aiquile entfernt liegt. Dort wollte ich das Haus meine bolivianischen Onkels besuchen. Mein Fahrtenglück war aber mal wieder alles andere als super.Ich saß in meinem Taxi, dass durch seine Herkunft aus Japan/China schon keinen guten Eindruck gemacht hat. In meiner Bank, 3 Cholitas. Ihre vielen Taschen im Kofferraum und zwei weiterer Personen vorne. Als wir waren komplett vollbeladen und somit wunderts auch nicht, dass nach 25 Minuten dann der erste Reifen geplatzt ist. Ich war mir sicher, dass ich wohl nicht mehr ankommen werde und im nichts übernachten muss. Diese Befürchtung wurde dann mit dem 2. Reifenplatzter nicht besser. Vor allem,wer nimmt schon zwei Ersatzreifen mit? Aber mein Fahrer hatte wohl eine Vorahnung. Somit hatten wir einen zweiten Reifen und kamen nach 2 Stunden dann auch an. Eine furchtbare Fahrt, zumal die Sprache im Taxi Quechua war. Ich spreche außer "ja" und "nein" kein Wort Quechua, was die Cholitas neben mir aber ganz lustig fanden. Reifenwechseln müsste ich jetzt aber können...
Pacay
Nun gut, zunächst ging es auf die "Feria de Fruta" ein Früchtefest, wo die besten Ernten gezeigt und später prämiert werden. Daneben konnte man aber auch probieren und das war lecker! Pacay,Guayaba,Chirimoya Ich werde euch vermissen. Und wenn man sich jetzt fragt, von was ich da spreche. Selbst wenn ich wollte, dass muss man schon selber probiert haben!



 Zu meinerm Onkel:



Als das sollen Tomaten sein..

Danach habe ich dann DAS HAUS besucht. Ein Traum, ein Traum. Ich war hin und weg, denn ich hatte ja keine Vorstellung von diesem  Haus! Besser gesagt Bauernhof, denn neben Kühen, Stieren,Pferden,Hühnern,Gänsen,Hunden gabe es noch Plantagen voll mit Obst und Früchten. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Also so etwas schönes! Dazu gab es dann noch ein leckere Essen von Amalia meiner Gasttante. Ich habe es genossen und am Abend war dann noch das große Dorffest mit Cholita Bands usw. Ich habe es genossen, denn eine Fiesta en el campo ist schon noch etwas anderes.

Cholitas en concert

Mit meiner Cousine Nathalie

Ostersonntag hieß es früh raus für mich und wieder zum Taxistand, denn ich musste ja zurück nach Aiquile.Ebenfalls eine Tour zwischen Choltas eingequetscht und mit einem Platten. Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke muss ich schmunzeln und freue mich über die Erfahrung, denn so etwas erlebt man nur in Bolivien! Den Sonntage waren wir dann in der Messe und haben mit seinem Chef gut zu Mittag gegessen. Nachmittag ging dann mein Minibus zurück nach Cochabamba (nach Hause). Dieses Mal ist er auch wirklich gefahren, doch das war auch nicht wirklich angenehm. Durch die Berge, 5cm am Abgrund vorbei und trotzdem mit knapp 100km/h gerast. Ich habe nur noch gebetet. Aber, wie man sieht, ich bin angekommen ! Zum Glück :)

Das war meine kleiner, aber schöne Reise nach Aiquile. Am Ostermontag musste ich dann wieder arbeiten, denn das ist kein freier Tag hier. Seltsamerweise...
Gleichzeitig haben wir aber Oster gefeiert mit den Kindern, was echt nett war. Ich habe das ganze in Tiquipaya unterstützt und dort Osterhase gespielt. Durch das wunderschöne Feld, was man unten ja sieht, hatte ich eine tolle Fläche zum Verstecken.Und die Kids haben vielleicht gesucht. "Profe, wo hast du die Eier versteckt?" Also so manche Bräuche gibt es auch hier auf der anderen Seite des Ozeans. Danach gab es noch einen Film zu dem Thema Ostern und ein ganz leckeres Essen. "Papas a la huancay"- Kartoffeln mit Erdnussoße mit Ei und Käse. Oh, lecker!
Mit dem Turno Tarde haben wir dann noch einmal das Gleiche gemacht und wieder lachende Gesichter und Freude bei gefundenen Eiern! Ja so habe ich Ostern verbracht und ich muss sagen: es war schön!
Auf los gehts los!

Orlando und seine Ausbeute


Die Kinder morgens

"Mhh lecker", stimmts Juan Carlos?


Ein Ereignis folgt dem Nächsten! Denn am 12.April war der Tag des Kindes. Die Kinder werden hier gefeiert, man gibt ihnen Geschenke und Süßigkeiten. Und das schon in der Schule. Wir haben dann auch eine kleine Feier gemacht. Mit kleinen Spielchen, einem leckeren Mittagessen und Kostümwettbewerb. Bei solch einer Veranstaltung kann ich es mir ja nicht nehmen lassen, mich auch zum Hampelmann zu machen. Also habe ich gemeinsam mit anderen getanzt:

Franklin und Joel



Die dritte Generation von Morgen
 Was für ein Spaß! Und den Kindern hat es auch sehr gut gefallen. Danach haben sie noch kleine Tütchen bekommen und die Feier war vorbei. Ich fands schön, auch wenn es einmal wieder etwas bolivianisch übertrieben war, aber das gehört dazu und wenn sie in mancherlei Hinsicht doch nur ein Stück abgeben würden. Denn so ein Kindertag in Deutschland wär schön!



So das sind die Ereignisse des Aprils. Bisher ist alles noch ruhig, doch die Sanduhr kennt keine Gnade... die Zeit verinnt, wie Sand und es müssen noch viele Dinge geplant werden.
Also verabschiede mich und hoffe, dass euch Text und Bilder gefallen :)

Mittwoch, 28. März 2012

Ein bisschen Alltag


So meine Lieben,

wenn ich mir so die letzten Blogeinträge angucke, dann rede ich eigentlich nur die ganze Zeit von meinen Reisen und Unternehmungen, aber recht wenig aus dem Projekt. Hiermit gibts ein wenig mehr aus Warmi zu hören.
Gut, wirklich aufregende oder spektakuläre Dinge sind in den vergangenen Wochen nicht passiert.
Was man so alles mit den Gummy
teilen machen kann...
Der Schulneustart war anfang Februar und damit haben sich auch ein paar Personalwechsel ergeben, doch auch nur Kleinigkeiten. Ich arbeite weiterhin in Pacata und in Tiquipaya und helfe wo ich gebraucht werde. Bei den Vorschülern hat sich allerdings einiges geändert. Gemeinsam mit der neuen Erzieherin bin ich dabei, mehr Förderung aufzubauen.
Soll konkret heißen, dass die Kinder neben dem Spielen auch immer wieder kleine Einheiten machen, um für die Schule besser vorbereitet zu sein. Denn leider ist das in den meisten Fällen überhaupt nicht Fall. Die Kleinen bekommen keine Unterstützung/Förderung von zu Hause und startet dementsprechend auch ohne Vorkenntnisse in den Schulalltag. Viele kommen dann ins Straucheln, und haben Lernschwächen. Diese korrigieren ist wirklich schwierig, was ich aus Erfahrung nur bestätigen kann. Wie bringt man einem 8-jähirgen Kind Lesen, Schreiben und Rechnen bei? Gut an diesen Problemen arbeite ich konkret in Tiquipaya, denn dort ist es wirklich erschreckend, wie wenig mache Kinder können. Und das liegt oftmals nur daran, dass sie von zu Hause aus nicht gefördert werden, die älteren Geschwister die Hausaufgaben machen... Da wunderts auch nicht, dass es viele nicht in die Oberstufe schaffen, sondern sich vorher mit irgendeiner Art von Job aushelfen. Irgendwie ist das alles ein Stück Lebensrealität, die ich vorher in Deutschland nur aus den Medien kannte. Nun kann ich vieles doch ein Stück weit mehr nachvollziehen und spüren, was dahinter steckt.
Ansonsten ist es zZ gerade sehr schön in Tiquipaya, denn durch den vielen Regen in Dezember und Januar ist die Natur gewachsen. Unser Fußballfeld hat sich in eine Weide verwandelt, auf dem man im kniehohen Gras wunderbar tollen kann. Gut, die Kühe und Schafe sind etwas nervig, aber wenn man sich ferhält auch kein Problem. In unserem Vorgarten laufen die Hühner und Schweine lang und die Hunde muss ich in einer regelmäßigkeit wegjagen. Also ein richtiges Landleben in Cochabamba.


Die Bilder aus Tiquipaya:


Fußball mit Kühen 




kaputt, aber glücklich



Bei den Hausaufgaben





Los chicos


Orange

Samstag, 3. März 2012

Bienvenidos im Karneval 2012; Vom Osten in den Westen und ins Herz


Karneval stand im Februar an und das bedeutet einen Monatsfeier. Doch bevor, ich mich aus dieses Highlight meines Jahres hier stürze, möchte ich zunächst von den Aktivitäten davor berichten.

Bevor man beim großen Karnevalsumzug antreten kann, gibts es eine Generalprobe. Die war schon anfang Februar. In T-shirts, die über die Herkunft der Tänzer aussagen, ging es also los mit dem Vorkarneval. In verkürzter Form haben wir schon einmal einen Eindruck bekommen, was uns 3 Wochen später erwarten sollte. Viele Menschen haben sich schon den Vorkarneval angeschaut und sich bei der Aufschricht meines T-shirts (s.u.) sehr gewundert, sich gefreut und mitgetanzt. Genau so, wie es im Karneval sein sollte! Trotz alledem, waren wir danach furchtbar kaputt und von unseren Füßen brauchen wir nicht sprechen. Aber dafür hat es mal wieder richtig Spaß gemacht :)


Deutschland & Chicaloma (Dorf in den Yungas)

Tanzend und Singend
Den Sonntag darauf, war ich dann auf meiner erste Dorfhochzeit eingeladen. Und das war ein unbeschreibliches Erlebnis. Eine Hochzeit aus dem Dorf wird 3 Tage gefeiert! Der erste Tag lässt sich gut mit der Hochzeitsfeier in Deutschland beschreiben. Es wird in schicker Garderobe viel getanzt und gefeiert. Essen oder eine Hochzeitstorte fehlen aber. Dafür wird umso mehr getrunken und das sehr ausgelassen. Man lädt zu seine Hochzeit fast die ganze Dorfgemeinschaft, was das ganze zu einem Event macht. Am Sonntag kann man dann legere gekleidet auftauchen. Es wird zusammen gegessen und getrunken. Weiterhin getanzt, doch das ganz besondere ist das Geschenkeverteilen. Jeder Gast bringt sein Geschenk mit und überreicht es dem Brautpaar. Das geschieht mit viel Konfetti:
Die Braut mit meiner Freundin Carina im Konfetti Regen
Das wirkliche Highlight waren aber wirklich die Geschenke. Neben handlichen Geschenken und Kleinigkeiten, haben viele enorme Sachen geschenkt. Meine Highlights waren eine Sofagarnitur, eine Wohnzimmervitriene, eine Wachmaschine und ein High-Fi System. Und das wurde alles in den Saal geschleppt. Nachher hatte das Brautpaar eine halbe Wohnungseinrichtung geschenkt bekommen. Und das ist hier so üblich! Ich war wirklich beeindruckt und muss sagen, so eine bolivianische Dorfhochzeit wäre schon etwas...

Das darauffolgende Wochenende war es dann endlich soweit, dass ich den weiten Osten von Bolivien erkunden konnte. Für eine Seminar der Hermandas ( meiner Organisation) waren alle Freiwilligen nach Santa Cruz eingeladen. Das haben wir uns ja nicht zweimal sagen lassen und sind los nach Santa Cruz.
Zunächst wollten Sophie und ich nach Samaipata, aber durch die starken Regenfälle war das nicht möglich. Also haben wir den Freitag in Santa verbracht und die Stadt etwas kennengelernt. Die Hauptplaza ist wirklich schön und bildet ein schönes Zentrum der Stadt, doch darüberhinaus fand ich Santa Cruz nicht super spannend. Und die Hitze ist wirklich ein Faktor, der das Leben dort erschwert.
Vor der Kathedrale



Am Abend sind wir dann zu unserem Seminar aufgebrochen, dass zu unserem Bedauern eine Stunde von der Innenstadt enfernt lag. Doch in den folgende zwei Tagen haben wir viele neue Leute kennenlernen können, mit Ex-Freiwilligen uns austauschen können und einen Einblick bekommen, was unsere Organisation in Bolivien alles umfasst. Dieses Jahr der Partnerschaft steht im Zeichen des Umweltschutzes, was wir alle mehr als notwendig finden, wenn man sich das Leben in Bolivien anschaut. Vielerorts wissen die Menschen nichts über Müllentsorgung und ihre Folgen. Selbst in der Außenstelle meines Projektes verbrennen wir den Müll und damit Plastik, Papier, Batterien und alles, was so ansteht.  Also höchste Zeit  in diese Richtung zu arbeiten. Ich bin schon auf der Suche nach einer gescheiten Umsetzung eines Umweltprojektes. Mal sehen, wie erfolgreich das wird.
Am Abend haben wir dann eine interkulturelle Nacht gemacht, in der jedes Departamente etwas vorführen musste. Als Cochabambina bzw. angehende Cochabambinerin habe ich unsere Nationalteam beim Tanzen unterstützt und als Cholita kräftig mitgetanzt:


Tarijas wunderschöne Frauen
Darauf ging es wieder zurück nach Cochabamba und das leider mit unzähligen Mückenstichen. Aber auch vielen neuen Erfahrungen!
Bevor ich das nächste Wochenende nach Oruro aufbrechen konnte, bin ich erstmal in die Elektionen der Miss Karnveal reingeraten. Naja ich habe viel mehr meine Freundin unterstützt, dich sich diesem Kampf gestellt hat.Und da wurde mit allen Mitteln gekämpft. 14 Misses aus 60 Bruderschaften, die am Karneval tanzen. Ich fands sehr interessant, hat aber auch gezeigt, dass eine Misswahl einen internationalen Charakter hat. Am Ende hat sie leider nicht den ersten Platz gemacht, aber dafür haben wir einen Preis für den besten Tanz als Gruppe bekommen und das ist für uns um einiges mehr Wert, als den Titel: Miss Carnaval 2012!

Miss Saya 2012
Außerdem haben wir im Projekt noch Karneval gefeiert und an einem kleinen Umzug im Barrio teilgenommen. Die Kinder wurden geschminkt und sind wir mit Kostüm und Musik losgezogen. Die älteren haben getanzt und als Cholitas alles gegeben, während wie kleinen eher das ganze Spektakel genossen haben.




Also ein Umzug für Groß und Klein! Aber ich fand es war doch eine schöne Sache daran teilzunehmen und sich als Guarderia vorzustellen. Am Nachmittag haben Larissa, Dimelza und ich noch Kinderschminke angeboten und die kleinen zu Marienkäfern, Schmetterlingen und Mäusen verwandelt.



einige der Resultate
Bereits am Freitag darauf ging es dann nach Oruro, wo die größte Karnevalsfeier des Landes stattfinden sollte. Aus ganz Bolivien kommen die Menschen, um sich die berühmte Entrada anzugucken. Sogar aus dem Ausland kommen die Menschen, um dieses Spektakel nicht zu verpassen. Der Höhepunkt des Jahres für Oruro, das sonst wegen seiner Kälte und Höhe oftmal nur gemieden  wird. Doch an diesem Wochenende wird es teuflisch wild. Die Teufel des Tanzes "Diablada", die den Traditionstanz Oruros darstellen, kommen hervor. Und das mit Masken und Kostümen, die einfach nur beerindruckend sind. Dafür hat sich der Karneval wirklich gelohnt. Gut, wir haben 14 Std. zugesehen und wurden mit Schaum und Wasser abgespritzt, doch haben wir mitgetanzt, gelacht und ein wirkliches schönes Fest genossen. Besonders Carporales hat es uns angetan! Der Tanz aus Cochabamba ist wirklich schön und besonders der männliche Part animiert zum mitmachen. Daneben gab es noch eine Menge anderer Tanzgruppen, die mit aufwändigen Kostümen, wunderbaren Musikbands und langen Zügen das Publikum beeindruckt haben. Was ich leider wirklich schade fand, war die fehlende Variation, denn obwohl Bolivien so viele folklorische Tänze hat, wurden nur einen handvoll davon präsentiert. Viele Tänze fehlten und besonders kleinere Gruppen sind nicht angetreten, aber die Entschädigung folgte ja in Cochabamba.


                                                      DAS HIGHLIGHT

Was ich hier so groß als mein persönliches Highlight präsentiere war der Karnevalsumzug in Cochabamba oder auch der GRAN CORSO DE COCHABAMBA.
Das Wochenende nach Oruro folgte der große Umzug von Cochabamba, an dem mehr als 70 Tanzgruppen teilgenommen haben. Eine davon war meine Saya Gruppe. Ich habe ja bereits davor schon beschrieben, dass ich nun auch das Tanzbein in Bolivien zu diesen besonderen Anlässen schwinge. Der Corso von Cochabamba ist eines der wichtigsten dieser Anlässe und wahrscheinlich auch eines der schönsten. Um etwa zwei Uhr nachmittags haben wir losgelegt und waren um 6 kaputt aber glücklich endlich fertig.  In den 4 Stunden dazwischen haben wir mit Cochabamba getanzt. Es war einfach unglaublich, wie viele Menschen von ihren Sitzen aufgesprungen sind, uns angefeuert haben oder gleich mitgetanzt haben. Eine solche Lebensfreude hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Ich war restlos beeindruckt, weil ich das Gefühl hatte, alles richtig zu machen und die Menschen mit meinem Tanz zu erfreuen. Nichts schöneres kann es für einen Tänzer geben, meiner Meinung nach. Am Ende musste sogar die Polizei einschreiten, weil so viele Menschen tanzen wollten und somit kein Durchkommen mehr war. Ich bin wirklich so froh, dass ich Teil dieses Spektakels sein konnte und einmal wieder die bolivianische Lebensfreude voll zu spüren bekommen habe! Welch wunderschönes Erlebnis :)